Scheinwerfer an für die Automobil-Mechatroniker

14. September 2018 autoberufe.ch – Der Wegweiser wies in Halle 2 der nationalen Berufsmeisterschaften zu den Autoberufen: Der AGVS-Stand, aufgeteilt in Showroom, Kundendienst, Ersatzteillager und Werkstatt, präsentierte die Lehrberufe interaktiv. Dass es Absolventen derweil weit bringen können, demonstrierten die 22 Schweizer Meisterschaftskandidaten aus den Reihen der Automobil-Mechatroniker im Hintergrund.

tki. Es hupt, die Zeit ist um: Ganz klar, am Stand 2.2 der Bernexpo sind während der SwissSkills Autofachleute am Werk. Und am Stand des AGVS herrscht an den nationalen Berufsmeisterschaften Aufbruchstimmung. Elf Kandidaten, alles ausgelernte Automobil-Mechatroniker, verlassen gerade die Posten. Die Experten wachen mit Argusaugen darüber, dass niemand die Postenzeit überzieht – «und dass alle ihre gerechte Bewertung erhalten», kommentiert Andreas Bühler aus Wilen TG das emsige Treiben.

Er weiss, wovon er spricht. Bühler holte im Jahr 2002 die Bronzemedaille an den WorldSkills Südkorea hautnah dabei. Wie Flavio Helfenstein (Berufsweltmeister 2011 in London), Jean Trotti (WorldSkills 2015, Sao Paulo) und Riet Bulfoni (WorldSkills 2017, Abu Dhabi) steht er nun auf der anderen Seite: Die Hälfte der AGVS-Experten war einst selbst an den Berufsmeisterschaften aktiv. «Das gibt uns nochmals einen ganz anderen Bezug zur Berufsbildung. Wir können die Nachwuchsfachkräfte durch die Wettkämpfe begleiten und uns aktiv in die Weiterentwicklung des hohen Ausbildungsstandards einbringen», erklärt Bühler.


Seitenwechsel: Der einstige WorldSkills-Teilnehmer Jean Trotti waltet nun seines Expertenamts (Bilder Karl Imlig).

Berufsverband und Branchennachwuchs gleichermassen gefordert
Die hohen Anforderungen an Verständnis, Lösungsfindung und Handwerk wurde den 22 AGVS-Kandidaten an den sechs Prüfungsfahrzeugen bewusst: Angefangen beim Motorenmanagement über Motorenabstimmung und -elektrik, ABS- und ESP-Aufgaben an den  Bremsen bis zur Motormechanik und zur Fehlersuche an Fahrwerk und Lenkung hatten es die von AGVS-Automobiltechnikexperte Markus Schwab und WM-Fahrer Flavio Helfenstein vorbereiteten Prüfungen in sich. «Ja, die Kandidaten tun sich schwer», meint Schwab im Vorbeigehen zwischen den zwei von der ESA zur Verfügung gestellten Liften und der Achsvermessungsanlage von der Gassner AG.

Fraglos, der Prüfungsexperte ist an allen Ecken und Enden gefragt. Seit Mitte Mai dieses Jahres laufen die SwissSkills-Vorbereitungen für Markus Schwab auf Hochtouren. Ob die Beschaffung von Werkzeug, das Austüfteln der Posten oder das Einrichten des Prüfungsgeländes: «Wir waren gefordert, nun sind es die Kandidaten», sinniert er, um sogleich ein Couvert entgegenzunehmen. «Das sind wichtige Ersatzteile für die Prüfungsfahrzeuge», erklärt er mit einer gewissen Erleichterung im Gesicht und eilt gleich zu einem der Posten weiter, der die Kandidaten ins Schwitzen brachte: «Châssis». «Das ist auch gut so», erklärt Michel Tinguely, der das AGVS-Juryamt zwischen 1999 und 2015 innehatte. «Die Aufgaben müssen anspruchsvoll sein. Nur so können wir das Niveau der Kandidaten eruieren.»


Viel Swiss- und WorldSkills-Erfahrung an einem Tisch: Die AGVS-Experten (v. l.) Andreas Bühler, Flavio Helfenstein und Riet Bulfoni mit Markus Schwab.

Die Zeit ist knapp, die Anforderung hoch
Entsprechend oft scheiterten die Kandidaten an der auf 90 Minuten bemessenen Postenzeit. Dies sei jedoch im Sinne der Sache, sagt Markus Schwab: «Die Kandidaten arbeiten hier praktisch auf WM-Niveau. Dort wird ihnen noch weniger Zeit zur Verfügung stehen.» Erschwerend kommt der Lärmpegel hinzu: Tausende von Schülerinnen und Schülern, ein Geräuschteppich aus diversen Werkstatttätigkeiten von den benachbarten Ständen, interessierte Zuschauer mit vielen Fragen an den Staff und die Experten: «Unter schwierigen Bedingungen, in hektischen Situationen und bei ungewohnten Problemen fokussiert und ruhig bleiben zu können, zeichnet Fachkräfte aus», ist der AGVS-Bildungsverantwortliche Olivier Maeder überzeugt.

«Ja, dieser Blick über die Schultern unserer Automobil-Mechatroniker, die hier die Schweizer Meisterschaften bestreiten, verleiht den SwissSkills-Besuchern ein gutes Bild über die hohen Ausbildungsstandards in den AGVS-Garagen», fügt Experte Roman Bütler aus Hitzkirch LU überzeugt an. «Es ist ein Schaufenster in die Welt der Autoberufe, die mit der zunehmenden Elektrifizierung der Fahrzeuge unglaublich vielseitig und fordernd geworden sind.»


Steht ihren Mann: Die Automobil-Fachfrau und angehende Kauffrau Lisa Habegger bringt den SwissSkills-Besuchern die Grundbildungen im Autogewerbe näher.

Ehemalige und angehende Lernende im Gespräch
Auf der anderen Seite der Berufsschaubühne: Die angehenden Lernenden, die dank der klaren Botschaft des AGVS-Stands angezogen werden – «Autoberufe haben Zukunft.» Diese Zukunftschancen sollten den mehr als 62 300 angemeldeten Schulen aus der ganzen Schweiz aufgezeigt und vor allem mit allen Sinnen erlebbar gemacht werden. «Aus Sicht der Grundbildungen sind wir mehr als zufrieden: Das Konzept der SwissSkills-Macher geht auf, wir erreichen exakt unser Zielpublikum», betonte Philipp Lendenmann.
  
Mit dem Gedanken, der Berufswahl der Oberstufenschüler neue Inputs zu geben, hatten diese einen Fragebogen sowohl zu Wunsch- als auch zu ihnen nicht besonders bekannten Berufen auszufüllen, um mit den Standbetreibern ins Gespräch zu kommen. Im Falle des AGVS vor allem auch mit weiblichen Nachwuchskräften. «Unsere ausgebildete Automobil-Fachfrau und angehende Kauffrau Lisa Habegger und unsere angehende Kauffrau Stéphanie Ackermann zeigen an unserem Stand-Kundendienst, dass in der Welt der Autoberufe Frauenpower gefragt ist», so Olivier Maeder.

«Wir müssen Emotionen vermitteln – das zählt»
Mit den Oberstufenschülerinnen und -schülern strömten auch zahlreiche Berufsberater und Lehrpersonen auf das Gelände der Bernexpo. «Das sind Multiplikatoren, die unsere Berufsbilder aktiv in den Berufswahlprozess tragen», zeigte sich Beat Künzi, Geschäftsführer des Bildungszentrums Autogewerbe Kanton Bern, zufrieden. «Wir müssen Emotionen vermitteln und dank unseren neuen Bildungsplänen die vielfältigen Ausbildungen mit tollen Zukunftsaussichten aufzeigen – das zählt», ergänzt er.

Interaktivität lautet das Stichwort der Stunde, ja dieser Generation des Berufsnachwuchs. «Mithilfe von Lernenden bauten die Schülerinnen und Schüler total 1000 Modellautos zusammen – die Faszination Technik und Werkstatt ist vorhanden», freute sich Arjeta Berisha von der AGVS-Abteilung Berufsbildung.


Ausprobieren und sich von der technischen Begeisterung der Automobil-Mechatroniker anstecken lassen.

Einsteigen und sich von der Faszination Auto anstecken lassen
Die Spitze des technischen Handwerks demonstrierten derweil die Mitglieder des Hochschulteams Bern Formula Student mit ihrem aktuellen E-Racer. «Hier kommen handwerkliches Können, der Wille zur Weiterbildung, KMU-Führungskapazitäten wie Buchhaltung und Kunden- respektive Sponsorenakquise und natürlich die gemeinsame Leidenschaft Auto zusammen», schildert Philipp Lendenmann.

Für viele Jugendliche das klare Highlight: Der neue BMW 750 LI. «Es ist Wahnsinn, wie viel Technik in diesem Fahrzeug steckt – kein Wunder begeistert er», so Philipp Lendenmann, der beim AGVS für Berufsbildung und Prüfungen zuständig ist.
Einstiegshilfen in die Welt der Autoberufe bot auch der MechaniXclub. Mit Informationen rund um den Eignungstest, QV-Vorbereitungshilfen sowie zu den diversen Events eine ideale Überleitung zu dem, was eigentlich für alle Besucher der SwissSkills im Vordergrund steht: Das Erlebnis. Die Emotion.

Yves Vichaux von Technolab vermochte diese zu transportieren. Vor einem grossen Monitor lockte ein virtueller Motorraum zur digitalen Fehlerdiagnose. «Die Jugendlichen kamen so spielerisch in den Kontakt mit unserem Werkstattalltag und sehen, wie faszinierend und komplex die Technologie ist.»

Das Ticket für die europäischen Meisterschaften gelöst
Nach vier intensiven Wettkampftagen stand fest: «Drei tolle und versierte Kandidaten treten am Samstag, 8. Dezember 2018, in der Mobilcity gegen europäische Berufskollegen an», blickt Olivier Maeder in eine Zukunft, die – geht alles gut – 2019 im russischen Kazan wieder in einem Weltmeistertitel für die AGVS-Automobil-Mechatroniker münden wird … 
 
Weitere Infos rund um die SwissSkills-Fahrer des AGVS und das Reportagevideo finden sich auf Facebook und unter autoberufe.ch.




 
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