Zürich – Südengland – retour


Euan (links) und Oscar aus Bristol werden zu ihren Erfahrungen in einem Schweizer Garagebetrieb interviewt (Bild zvg).


22. November 2018 autoberufe.ch – Theorie und Praxis gehen international Hand in Hand. Dies zeigt ein zweiwöchiges Praktikum, bei dem englische Lernende Zürcher Garagenluft schnuppern und die Ausbildung bei der Abteilung Automobiltechnik in der technischen Berufsschule Zürich (TBZ) kennenlernen konnten. Ein Bericht von Anita Schmid-Visini (TBZ).

Im Herbst 2017 durften Lernende der Abteilung Automobiltechnik der TBZ dank finanzieller Unterstützung von Movetia ein zweiwöchiges Praktikum in einem Garagenbetrieb in Bristol oder Bath absolvieren. Kürzlich fanden Gegenbesuche aus dem Partnerbetrieb Audi Bristol statt: Die englischen Auszubildenden erhielten die Möglichkeit, bei den Partnerbetrieben Mercedes-Benz Automobil AG Schlieren, Mercedes-Benz Automobil AG Zürich-Nord, Emil Frey Zürich-Nord und bei der Binelli Zürich AG für 14 Tage mitzuarbeiten. Etwas nervös, doch zuversichtlich und motiviert standen die jungen Engländer am Flughafen Zürich, um von ihren Gastfamilien in Empfang genommen zu werden.

Noch am ersten Tag konnte im Chat via Smartphone gelesen werden «I feel like an alien, nobody speaks English» («Ich fühle mich wie ein Ausserirdischer, niemand spricht Englisch.»). Dies sollte sich aber bald ändern, findet sich doch in jedem Betrieb ein Expat oder ein Arbeiter, der beispielsweise Berufserfahrungen in Australien gesammelt hatte, oder einen Englisch sprechenden Mitarbeiter oder Lernenden, der vielleicht nächstes Jahr nach England reisen darf. Trotz kultureller Unterschiede fügten sich die jungen englischen Berufskollegen schnell in den schweizerischen Alltag ein. Die Engländer wurden in jedem Betrieb sehr gut aufgenommen und die Begleitpersonen von Audi waren voll des Lobes.

Vieles ist gleich – und doch irgendwie anders
Den englischen Lernenden wurde bewusst, dass ihre Berufskollegen hier eine andersartige Ausbildung absolvieren – besonders, als sie die TBZ-Lernenden während eines Vormittags an die Berufsschule begleiteten. In England werden sie während zusammenhängenden Wochen betriebsintern geschult – vergleichbar mit den hier stattfindenden überbetrieblichen Kursen (üK). Der Enthusiasmus und der angesichts des Schweizer Lohnniveaus laut gewordene Wunsch nach einer Stelle in der Schweiz schwächten sich gegen Ende des Praktikums eher ab. Der Grund? Es sei hier einfach zu anstrengend und die Lebenshaltungskosten und Preise in Zürich seien sehr hoch. Dies relativierte für die jungen Berufskollegen die Lohnaussichten. Auch das regulierte und anspruchsvolle duale Bildungssystem empfanden sie als sehr restriktiv und strikt. Sie seien sich nicht gewohnt, so früh am Morgen mit der Arbeit zu beginnen und solch lange Arbeitstage durchzuhalten, geschweige denn neun Lektionen an einer Berufsschule abzusitzen.

Die Arbeitserfahrung des Lebens
Im Grossen und Ganzen waren die englischen Jugendlichen mit ihrem Aufenthalt in und um Zürich aber sehr zufrieden – es sei «Die Erfahrung des Lebens» gewesen. Eine Erfahrung, die ihnen auf ihrem beruflichen Werdegang sicherlich hilfreich sein werde. Nächstes Jahr sind dann wieder die Schweizer dran, die bestimmt ebenso nett empfangen und umsorgt werden. Dies vor allem dank den Kontakten, die hier geknüpft werden konnten. Die TBZ zählt auf die Betriebe, dass sie einerseits den Gewinn einer solchen «Work experience» in einem anderen Land erkennen und ihre Lernenden ziehen lassen. Andererseits hofft die TBZ, dass die englischen Betriebe in Zukunft ebenfalls die Bereitschaft bekunden, einen Lernenden willkommen zu heissen. 
 


Toby (links) und Omar aus Bristol werden zu ihren Erfahrungen in einem Schweizer Garagebetrieb interviewt (Bild zvg).

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