Scheibenreparatur im Sichtfeld neu erlaubt

30. April 2019 agvs-upsa.ch - Was bislang grundsätzlich verboten war, ist nun unter bestimmten Voraussetzungen möglich: die Windschutzscheibenreparatur im Fahrersichtfeld. Der entsprechende Gesetzesartikel wurde angepasst.

abi. Gute Nachrichten für alle Garagisten. Sie haben neu die Möglichkeit, mit der Reparatur von Windschutzscheiben auch im Fahrersichtfeld Umsatz zu erzielen. Bislang war eine Reparatur an dieser Stelle per se ausgeschlossen und ein Austausch der Scheibe unumgänglich. Nun aber wurde der entsprechende Artikel in der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) revidiert, wie das Bundesamt für Strassen (Astra) bestätigt. Grund dafür sind die technischen Möglichkeiten: Heute können Reparaturen qualitativ so gut durchgeführt werden, dass der ursprüngliche Zustand praktisch wiederhergestellt werden kann. 

Einige Punkte müssen dennoch beachtet werden, wie Markus Peter, Leiter Technik & Umwelt beim AGVS, erklärt. «Die Reparatur muss technisch möglich und die verzerrungsfreie Sicht danach gewährleistet sein», sagt er. Entscheidend sind das Schadensbild und die Position auf der Scheibe. Grundsätzlich gilt: Eine Reparatur ist nicht möglich, wenn der Schaden grösser als ein «Zweifränkler» ist oder er zu nahe an der Glaskante liegt. In beiden Fällen ist die Gefahr zu hoch, dass die Scheibe reisst.

Die Reparatur geht heute «fast wie von allein», sagt Peter. «Die Werkzeuge haben eine grosse Entwicklung durchgemacht. Manuelles Geschick und ein gutes Auge braucht es zwar nach wie vor für ein perfektes Reparaturergebnis, doch die modernen Reparaturgeräte unterstützen einen dabei optimal.» Oftmals sei Reparieren sogar einfacher als Ersetzen – insbesondere, wenn man an all die zum Teil notwendigen Kalibrierungsarbeiten nach einem Scheibentausch denkt. Garagisten, die noch nicht im Glasgeschäft aktiv sind, können das Handwerk beispielsweise in einem clearcarrep-Kurs erlernen, rät Peter. Clearcarrep ist ein Konzept der ESAund der BETAG.

Reparaturen auch bei Head-up-Displays möglich
Scheibenreparaturen sind sogar dann möglich, wenn ein Head-up-Display Informationen auf die Scheibe projiziert. Laut Reto Brügger, Technischer Leiter bei der Desa Autoglass AG, werden Windschutzscheiben im Sichtfeld aber nur repariert, wenn «die technischen Rahmenbedingungen gegeben sind und der Kunde eine Reparatur akzeptiert». 

Kunden würden oft eine neue Scheibe erwarten, denn auch einwandfrei durchgeführte Reparaturen könnten Probleme machen. «Je nach Schaden und Grafik kann es leichte Verzerrungen geben», sagt Brügger. Ist der Kunde mit dem Ergebnis nicht zufrieden, muss die Scheibe komplett ersetzt werden. 
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Kommentare


Roro 7. Mai 2019 - 11:15
Der Airbag stützt sich bei einem Crash auch auf der Frontscheibe ab, und erzeugt so eine enorme Kraft auf die reparierte Stelle und genau dort ist der schwächste Punkt! Diese Verantwortung möchte ich nicht übernehmen, wenn bei einem Unfall die Folgen auf die Reparatur zurückzuführen sind.

Markus Peter 7. Mai 2019 - 18:15
Danke für die Rückmeldung zum Beitrag. Tatsächlich nimmt die Windschutzscheibe eine tragende Funktion ein. Wie Sie sicher wissen, ist die Frontscheibe aus zwei Lagen Glas mit einer Folie dazwischen aufgebaut. Falls eine Reparatur in Frage kommt, so ist jeweils nur die äussere Schicht beschädigt. Untersuchungen an fachmännisch reparierten Frontscheiben haben gezeigt, dass die Festigkeit nach der Reparatur praktisch wieder dem Neuzustand entspricht. Das bei Reparaturen mit Druck injizierte und danach ausgehärtete Harz verhindert, dass die Scheibe an der reparierten Stelle reisst. Freundliche Grüsse und Gute Fahrt!

BK 8. Mai 2019 - 8:28
So, nun hat also die Versicherungslobby es geschafft, dass Gewinn vor Sicherheit geht. Da es sich bei einer Frontscheibe um Verbundglas, sprich einfaches Fensterscheibenglas handelt, ist es auch allen klar, dass so ein Glas ganz einfach wieder zusammengeklebt werden kann, machen wir doch bei einer gesprungen Fensterscheibe auch, oder nicht? Hält sicher perfekt.

A. Neustadt - SAMS-Autoglas AG 22. August 2019 - 18:55
Sehr geehrte/r BK, erlauben Sie uns bitte Ihnen weitere Fachkenntnisse zu vermitteln. Verbundglas ist - wie der Name es sagt - kein einfaches Fensterscheibenglas. Dieses besteht - wie bereits im oberen Beitrag von Herr Peter erwähnt - aus zwei Lagen Glas mit einer hochreissfesten, zähelastischer PVB-Sicherheitsfolie dazwischen (vgl. Thema VSG auf www.glastroesch.ch, abgerufen am 22.08.2019). Als Synonym zu Ihrem verwendeten Begriff "einfaches Fensterscheibenglas" kann der in Fachkreisen verwendete Begriff Einscheibensicherheitsglas (ESG) verwendet werden, welches in Fahrzeugen ausschliesslich an der Seite und am Heck verbaut wird. An solchen ES Gläsern lassen sich keine Reparaturen durchführen, da diese bei einem Einschlag aus Gründen zur Reduktion der Verletzungsgefahr in viele kleine Glasteilchen zerspringen. Eine Reparatur ist grundsätzlich nur bei VS Glas möglich. Bis zum Zeitpunkt der vorliegenden Entscheidung wurde eine Vielzahl erfolgreicher Reparaturen an Frontscheiben durchgeführt (exkl. Fahrersichtfeld). An welcher Position eine Reparatur nun durchgeführt wird ist in technischer Hinsicht grundsätzlich irrelevant (ca. 2cm Abstand vom Scheibenrand). Die Sicherheitsrisiken sind auf der gesamten Scheibe ähnlich niedrig sofern Fahrzeuglenker*innen nicht durch die reparierte Stelle gestört werden. Ihre Gewinn- und Sicherheitsbedenken sind somit unbegründet, auch deswegen, weil uns bisher kein Fall eines Personenschadens bekannt ist, welcher auf eine Frontscheibenreparatur zurückzuführen wäre. Der ökologische Trend (Stichwort Footprint) steht hier eher im Vordergrund als Gewinnabsichten von Versicherungen. Freundliche Grüsse, A. Neustadt, SAMS-Autoglas AG

A. Marko 3. September 2019 - 6:48
Sehr geehrter Herr Neustadt Vielen Dank für die Vernünftige und weitsichtige Erklärung. Ich möchte wetten, dass die Sicherheitsbedenken von einem Beamten eines Strassenverkehrsamtes kommt. Ich habe derzeit gerade einen Diskurs mit dem Leiter eines Strassenverkehrsamtes, der partout von dem Standpunkt nicht heruntersteigen will, dass Microsteinschläge im Sichtfeld ausreichen, um den Austausch der Frontscheibe zu verlangen. Aktuell geht es um 2 x 1mm Microsteinschläge, ohne Risse, die, wie er behauptet, ein Sicherheitsrisiko darstellen, da diese zu Verzerrungen beim Sonnenuntergang führen können! Solange die VTS nicht klar formuliert, sondern immer noch schwammige oder keine definitiven Aussagen trifft, muss man sich mit der subjektiven Meinung dieser "sogennannten Experten" sinnlos herumschlagen. Es wäre an der Zeit, zumindest im Gesetz klare Aussagen zu treffen. Schönen Gruss, A.Marko, KFZ-Besitzer