Es wurde vermehrt repariert statt ersetzt

2. Juni 2020 – Die Zeit des Lockdowns war auch für die Zulieferer des Schweizer Autogewerbes eine herausfordernde Periode. Unter erschwerten Bedingungen halfen sie mit, dass die Werkstätten weiterarbeiten konnten.

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sco. Wegen der Corona-Pandemie droht eine Rezession. Wie lange diese Rezession anhalten wird und wie tief die ökonomische Delle sein wird, darüber streiten die Ökonomen und darüber rätseln auch die Vertreter der Zulieferbranche. «Die aktuelle Krise wird mit Sicherheit mittel- und langfristige Folgen für die gesamte Automobilindustrie haben», sagt Sébastien Moix, Marketingdirektor der Swiss Automotive Group. Es sei jedoch schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt Trends auszumachen. Dies bestätigt Giorgio Feitknecht, CEO der ESA: «Die mittel- bis langfristigen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie kann heute niemand genau vorhersagen.»
 
Wie recht Feitknecht und Moix haben, belegt ein Blick in die jüngste Vergangenheit. Noch Mitte März versprühten die Ökonomen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) Zuversicht. Das Bruttoinlandprodukt der Schweiz werde 2020 um 1,3 Prozent zurückgehen, prognostizierten die Wirtschaftsexperten des Bundes am 19. März – drei Tage, nachdem der Bundesrat den Lockdown der Schweizer Wirtschaft verfügt hatte. Einen Monat später legte das Seco dann deutlich dramatischere Zahlen vor. Minus 6,7 Prozent im Jahr 2020. Dies wäre der stärkste Einbruch der Wirtschaftsaktivität seit 1975 und der Erdölkrise. 2021 soll ein Aufschwung von 5,2 Prozent folgen. Das bedeutet aber auch, dass die Schweiz den Stand des Bruttoinlandprodukts 2019 selbst Ende 2021 noch nicht erreichen wird. 

Sébastien Moix.

Von den Wirtschaftsexperten in Bundesbern zurück an die «Front» im Schweizer Autogewerbe. «Wir spüren, dass ein Trend Richtung Normalisierung bereits nach dem ersten Schock von Mitte April eingesetzt hat», sagt Marcel Stocker, Leiter Automotive bei Hostettler Autotechnik AG. Aber auch Stocker geht von einem «länger andauernden und fliessenden Übergang in die Normalität» aus.

Spannend ist ein Blick in die Werkstätten. Verschiedene Zulieferer haben in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht, dass insbesondere Werkstatteinrichtungen vermehrt repariert statt ersetzt wurden. Das hat einerseits mit Lieferschwierigkeiten der Hersteller zu tun. Wo Werke geschlossen sind, wird nicht produziert. Je nach Lieferanten beziehungsweise nach Produktionsland sei es aufgrund von Fabrikschliessungen leider zu Verzögerungen gekommen, erklärt ESA-CEO Giorgio Feitknecht. «Wenn dem Mechaniker keine neuen Werkstatteinrichtungen geliefert werden können, wird er die altbewährten Geräte reparieren müssen», bestätigt Gregor Eckert, Präsident der UGS. «Wir haben festgestellt, dass unsere Kunden die Gelegenheit genutzt haben, um die regulären Wartungsarbeiten vornehmen zu lassen», sagt Ferdinand Smolders, Geschäftsleiter von KSU A-Technik.

Giorgio Feitknecht.
 
Ein zweiter Grund für die vermehrte Reparatur ist sicher auch die finanzielle Lage der Garagenbetriebe, so Sébastien Moix: «Wie alle Unternehmer, die von der Krise betroffen sind, müssen Garagenbesitzer ihre Liquidität überwachen. Daher ist es klar, dass einige für das zweite oder dritte Quartal dieses Jahres geplanten Investitionen verschoben werden.» Eine Einschätzung, die Marcel Stocker teilt: «Einige Kunden warten mit Entscheiden über nicht dringende Investitionen noch zu.» Keine Probleme hatten die grossen Zulieferer der Schweizer Garagisten mit Ersatz- und Verschleissteilen – von punktuellen Lieferengpässe abgesehen, wie Marcel Stocker von Hostettler einräumt: «Wir konnten diese durch unser Lager sowie die rasche Reaktion unseres Einkaufs ausgleichen.»



Marcel Stocker.

Auf die enorme Lagerkapazität von 24'000 Quadratmetern im SAG-Landeslager Niederbipp verweist auch Sébastien Moix: «Es hat uns ermöglicht, auf solche Krisen zu reagieren. Bislang haben wir in unserem Hauptsortiment keine Lieferengpässe festgestellt.» Vor allem bei Lieferanten aus Italien sei es zu Verzögerungen gekommen, sagt Ferdinand Smolders von KSU A-Technik: «Dank unserem Ersatzteillager haben wir die hauptsächlichen Verschleissteile vorrätig.» Auch die ESA sei beim Verbrauchsmaterial gut aufgestellt, sagt Giorgio Feitknecht. Ausnahme waren Hygienemasken oder Desinfektionsmittel. Doch diese waren nicht nur für die ESA in den ersten Wochen nach dem Lockdown Mangelware. 


Gregor Eckert von UGS rechnet damit, dass die Nachfrage nach Ersatzteilen in den nächsten Wochen ansteigen wird. «Bewährte, aber bereits ‹angezählte› Fahrzeuge könnten eher repariert als ersetzt werden.» Gründe dafür seien die Lieferzeiten für Neuwagen, die nach den Schliessungen der grossen Autofabriken sicher steigen würden, so Eckert: «Weiter stehen auch volkswirtschaftliche Folgen im Raum, die unser Geschäft schliesslich prägen werden.» Mit anderen Worten: Sind die Konsumentinnen und Konsumenten angesichts der drohenden Rezession überhaupt noch gewillt, ein neues Auto zu kaufen? Oder muss das alte noch ein paar Jahre halten? Eckert: «Die Corona-Krise hat uns gelehrt: Was heute undenkbar ist, kann morgen Realität werden.»




Gregor Eckert.

Ähnlich die Einschätzung von Ferdinand Smolders. Der Geschäftsführer von KSU A-Technik geht davon aus, dass sich die Lage erst nach den Sommerferien erholen wird: «Ein Zurück in den vorherigen Zustand wird es nicht geben! Es wird anders und darauf bereiten wir uns vor.»

Fakt ist: Die Zulieferbranche hat auch in diesen schwierigen Zeiten bewiesen, dass sie für die Schweizer Garagisten ein verlässlicher Partner ist. 








Ferdinand Smolders.

Quellen: AGVS-Medien

 




 
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