Bald droht Stille im Auto

25. Juni 2019 agvs-upsa.ch – Ab 2020 werden in der Schweiz die analogen UKW-Radiofrequenzen stillgelegt. Viele Autoradios könnten stumm bleiben. Das muss nicht sein! Für Garagisten ist das Umrüsten der Empfänger auf DAB+ nicht nur ein lukratives Geschäft, sondern auch eine gute Möglichkeit, beim Kunden durch Expertise und Service zu punkten.

jas. Das Radio ist immer noch einer der beliebtesten Medienkanäle. Nicht weniger als 73 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer hören täglich Radio. 70 Prozent davon auch im Auto. Doch für viele Autofahrer könnte der Lieblingssender bald verstummen. Denn ab nächstem Jahr werden gemäss Plan des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) die analogen Radiofrequenzen schrittweise bis 2024 stillgelegt und nur noch übers störungsfreiere und klar bessere Tonqualität aufweisende DAB+ (steht für Digital Audio Broadcasting) verbreitet.

Die neue Technik erlaubt es ausserdem, weitere nützliche Daten wie grafische Darstellungen von Verkehrsinfos oder auch Wetterinfos und Textnachrichten zu empfangen. Schweizweit sind bereits über 130 Sender empfangbar. Bereits über 150 viel befahrene Stadt- und Autobahntunnel sind für den Empfang von DAB+ ausgerüstet, sodass die Musik nicht plötzlich verstummt – selbst wenn man jetzt schon mit dem neuen Autoradio unterwegs ist. Das Bundesamt für Strassen (Astra) will die Tunnel im Rahmen von Unterhaltsarbeiten laufend weiter umrüsten. Ziel: DAB+ soll schweizweit bis Ende 2019 in den wichtigsten Tunnels empfangbar sein.

Klingt ja alles schön und gut, doch die Sache hat einen kleinen Haken: Bis 2012 war mit rund 10 000 Geräten erst eine verschwindend kleine Zahl der damals rund 4,2 Millionen Fahrzeuge in der Schweiz mit DAB+ bestückt. Über 70 Prozent aller Autos sind auch heute noch in der Schweiz analog, also ohne DAB+, unterwegs! Selbst bei den Neuwagen wurden bis vor zwei Jahren immerhin noch ein Drittel aller Schweizer Neuwagen ohne DAB+-Radios ausgeliefert – eigentlich erstaunlich. Die meisten dieser Autos sind sicherlich auch nach 2020 noch auf unseren Strassen unterwegs. Dann jedoch ohne Radioempfang und Hinweise auf die Verkehrslage (siehe auch Box). Dieser Gefahr sind sich bislang die wenigsten Autobesitzer bewusst. Höchste Zeit also, dass ihr Garagist sie beispielsweise im Zuge des nächsten Service darauf aufmerksam macht. Denn das Thema Umrüstungen auf DAB+ bietet dem Garagisten nicht nur die Möglichkeit, sich durch kompetente Beratung zu profilieren, sondern auch die Chance auf einen lukrativen Zusatzverdienst.

«Noch sind die Verkaufszahlen von Nachrüstkits sehr tief», erklärt Myriam Schoch, Leiterin Marketing/Werbung/PR der Fibag AG. «Sie liegen erst bei 0,03 Prozent des Fahrzeugbestandes. Wir gehen davon aus, dass sich die Nachfrage bis kurz vor dem Abschalttermin weiterhin auf tiefem Niveau bewegen wird.» Somit dürften dann, wie beim Wechsel auf Winter- und Sommerpneus, plötzlich eine Vielzahl an Kunden auf einen Schlag beim Garagisten um einen Termin bitten. Das muss nicht sein, denn schon jetzt gibt es diverse Nachrüstmöglichkeiten. Sie reichen vom simplen Universaladapter, der das DAB+-Signal kabellos ans eingebaute UKW-Radio übermittelt, zu DIN-Schacht-Radios, wobei hier schon zusätzliche Installationskenntnisse nötig sind. Einige Geräte bieten neben DAB+-Empfang zusätzlich auch eine Freisprechfunktion für Mobiltelefone und Bluetooth – weiteren Mehrwert durch Internetoptionen. Vor allem bei älteren Autos mit 1-DIN-Radios ersetzt man am besten das komplette Radio durch ein modernes DAB+-Gerät. Auch für DIN-2-Geräte gibt es bereits mehrere Umrüstlösungen.

Der Garagist sollte sein Augenmerk betreffend Umrüstung nicht nur auf Neuwagen und Kundenfahrzeuge legen. Auch bei Occasionen sollte er DAB+ auf dem Radar haben. Hier kann er durch eine Umrüstung allenfalls den Wert sowie die Verkäuflichkeit eines Fahrzeugs verbessern. Denn auch in diesem Segment wollen längst nicht alle Kunden mit einer kleinen Antenne an der Windschutzscheibe, einem zusätzlichen Display/Gerät und vor allem dem ganzen Kabelsalat im Cockpit unterwegs sein. Integrierte und markenspezifische Nachrüstlösungen bieten auch hier den Vorteil, dass sie unsichtbar sind und über die gewöhnliche Autoradiosteuerung bedient werden können.

Um die Garagisten rechtzeitig auf den zu erwartenden Run vorzubereiten und in der Branche eine gute Grundlage für die geschätzten rund 3,5 Millionen DAB+-Umrüstungen zu schaffen, bietet die AGVS Business Academy einen speziellen Kurs an. Im eintägigen, zusammen mit den Experten der Weer GmbH und der Exclusiv Car-HiFi GmbH erarbeiteten Lehrgang zu DAB+ erhalten die Garagisten einen Einblick in die Thematik, aber auch Grundlagen zur Antennentechnik und -montage sowie zur Installation und Nachrüstung von DAB+-Geräten. Es besteht zudem die Möglichkeit, sich im Rahmen des Kurses einen Kompetenzausweis als Umrüstspezialist und instruierte Person gemäss den Anforderungen des AGVS zu erwerben.
 
Die nächsten Kurse zu DAB+ finden am 1. Oktober 2019 in St. Gallen und am 3. Dezember 2019 in Bern statt. Weitere Infos erteilt auch die AGVS-Beraterin Manuela Jost (manuela.jost@agvs-upsa.ch, Tel. 031 307 15 27).
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