AGVS hilft, Schmugglern das Leben schwer zu machen

7. Mai 2019 agvs-upsa.ch – Ab und an werden beim oder nach dem Grenzübertritt Fahrzeuge herausgepickt und von Fachspezialisten des Grenzwachtkorps (GWK) unter die Lupe genommen. Doch wie wird sichergestellt, dass die Grenzwächter mit der heutigen modernen Automobiltechnik vertraut sind? Das Ausbildungszentrum der AGVS-Sektion Berner Oberland ist ein wichtiger Partner in der Aus- und Weiterbildung der GWK-Spezialisten.
 

Am Schulungsfahrzeug sind die möglichen Verstecke sehr gut sichtbar.


si. Die Bekämpfung des organisierten Schmuggels und der grenzüberschreitenden Kriminalität stellt hohe Anforderungen an die Mitarbeitenden des GWK und setzt spezielle Fachkenntnisse voraus. Das GWK beschäftigt deshalb in den verschiedenen Bereichen eine Reihe von Spezialisten.

In Zusammenhang mit Strassenfahrzeugen sind es beispielsweise die Spezialisten «Fahrzeugbeschau». Sie sind nach den Grundsätzen des Spurenschutzes im Auffinden und Ausbauen von Schmuggelwaren aus Fahrzeug-Hohlräumen geschult. Dabei handelt es sich um Grenzwächter, die entweder eine Grundbildung in einem automobiltechnischen Beruf abgeschlossen oder ein Flair für Technik haben. Es ist unumgänglich, dass sie mit den laufenden Neuerungen der Fahrzeuge und insbesondere den Versteckmöglichkeiten in den Fahrzeugen vertraut sind.

Ihnen stehen speziell ausgerüstete Fahrzeuge mit einem breiten Sortiment an technischen Hilfsmitteln aller Art zur Verfügung. Die allerwichtigsten Voraussetzungen sind aber nach wie vor Know-how sowie Erfahrung und viel Geduld. Denn eine Fahrzeugbeschau kann mehrere Stunden dauern.

Mit Automobiltechnik vertraut
In den periodisch stattfindenden Kursen in Mülenen, dem Ausbildungszentrum der AGVS-Sektion Berner Oberland, wird den Fachexperten, die selbstverständlich auch über ein fundiertes Grenzwachtwissen verfügen, die modernste Automobiltechnik vermittelt. Die Theorieblöcke bilden die Basis für die praktischen Arbeiten an Fahrzeugen oder Systemen, denen ein grosser Stellenwert zukommt.

Das Kursprogramm enthält hauptsächlich Themen, die mit der möglichen Unterbringung von Schmuggelgut in Zusammenhang stehen. Nachstehend eine Auswahl von Themen, die in den Kursen behandelt werden.

Rettungskarten als Hilfmittel
Aufgrund der Vielfalt von Fahrzeugmarken und -typen sind die modellspezifischen Rettungskarten ein unentbehrliches Hilfsmittel. Diese Dokumente wurden geschaffen, weil alternative Antriebssysteme wie Hybrid oder Elektro insbesondere für die Feuerwehr- und Rettungskräfte über ein enormes Gefahrenpotenzial verfügen. Die Rettungskarten sind grösstenteils im Internet frei zugänglich und enthalten unter anderem Informationen über die Einbauorte der verschiedenen Baugruppen – beispielsweise von Batterien, Airbags oder Treibstofftanks. Sehr oft wird darin auch erläutert, wie beim Abklemmen der Batterie vorgegangen werden muss.

Hohlräume nutzen oder herstellen
Die Schmuggler modifizieren die Fahrzeuge teilweise in hoch professionellem Stil, um das Schmuggelgut möglichst unsichtbar unterzubringen. Die speziell geschulten Frauen und Männer des GWK benötigen daher auf der Suche nach Hohlräumen, die als Verstecke dienen, Kenntnisse der Systeme, mit denen sie bei ihrer Arbeit in Kontakt kommen.

Beliebt sind beispielsweise die verhältnismässig grossen Aussparungen für die Airbags. Folglich ist es unerlässlich, dass damit zusammenhängende Arbeiten nach den Werksvorgaben ausgeführt werden. 

Die Kontrolleure müssen auch über Kenntnisse verfügen, welche Vorkehrungen beim Trennen der Spannungsquelle – also der Batterie oder den Batterien – getroffen werden müssen. Schliesslich dürfen wichtige elektronische Speicher nicht gelöscht werden. Ganz allgemein wird angestrebt, dass die Systeme nach der Kontrolle dem ursprünglichen Zustand entsprechen.

Die Reifen als Warenlager
Neben den verschiedenen Behältern für flüssige oder gasförmige Stoffe stellt besonders das Reserverad einen naheliegenden Aufbewahrungsort für Schmuggelgut dar. Reifen müssen oft de- und wieder montiert werden. Dabei ist es unerlässlich, dass die Fachspezialisten die Eigenheiten der verschiedenen Reifendruckkontrollsysteme (RDKS) kennen.

Falls es Hinweise oder Vermutungen gibt, dass Waren in Hohlräumen versteckt sind, können die Spezialisten «Mobile Gepäck-Röntgenanlage» (MOGRA) die Komponenten untersuchen. Der Bezeichnung entsprechend verfügen sie über mobile Röntgenanlagen, die den beispielsweise an Flughäfen eingesetzten Röntgenprüfsystemen entsprechen.

Da die Schmuggler sehr innovativ sind und möglichst unauffällige Fahrzeuge einsetzen, kann es vorkommen, dass sich die Spezialisten mit Hybrid- oder rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen befassen müssen. Die oftmals angewendete Hochvolttechnik, bei der Spannungen bis zu 1000 Volt auftreten können, erfordert besondere Kenntnisse. Ganz wichtig ist es, vor dem Beginn der Revisionsarbeiten das Hochvoltsystem zu deaktivieren. Auch in diesem Fall stellen die Rettungsblätter ein unentbehrliches Hilfsmittel dar: Darin wird dargestellt, wo sich die HV-Komponenten befinden und wie vorgegangen werden muss, um Spannungsfreiheit zu erreichen.

Diese unvollständige Auflistung der instruierten Themen zeigt, dass die Spezialisten «Fahrzeugbeschau» über ein umfassendes automobiltechnisches Wissen verfügen müssen. Anerkennenswert ist auch, dass das Ausbildungszentrum Mülenen als Partner des GWK dabei mithelfen kann, dass den Schmugglern das Handwerk (hoffentlich) gelegt wird. 
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