Industrie fordert Technologieoffenheit

3. Januar 2020 agvs-upsa.ch – In einem offenen Brief machen sich Industrieverbände – auch aus der Autobranche – bei der neuen EU-Kommission für Power-to-X und Technologieoffenheit stark.

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jas. Die neue EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen hat sich zum Ziel gesetzt, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Nun haben sich mehrere Industrieverbände – auch aus der Autobranche – in einem offenen Brief an den niederländischen EU-Vize-Präsidenten Frans Timmermans (Bild) gewandt, der sich um die Umsetzung dieser Klimaneutralität kümmern muss.

Die europäische Grossindustrie hält in diesem Schreiben fest, dass man durch die Entwicklung und Bereitstellung der notwendigen Technologien und Anwendungen durchaus bereit sei mitzuhelfen, die Klimaneutralität zu erreichen. Sie mahnt jedoch gleichzeitig: «Es gibt keinen Königsweg. Stattdessen ist eine breite Palette von Technologien und Lösungen notwendig, um Klimaneutralität zu erreichen.» Es dürfte nicht einfach alles auf Elektro gesetzt werden, sondern man müsse auch Wasserstoff als kohlenstoffarme Technologie ins Auge fassen genauso wie wasserstoffbasierte Gase und Flüssigtreibstoffe.

Eine entscheide Rolle beim Klimawandel kommt gemäss der europäischen Industrie der Power-to-X-Technologie zu. Über Elektrolyse wird dabei Wasserstoff erzeugt. Dieser kann direkt verwendet oder weiter in andere synthetische Gase und Flüssigtreibstoffe oder chemische Grundstoffe für alle Industriesektoren umgewandelt werden. Die Industrie, darunter auch die CLEPA (Vereinigung der europäischen Autozulieferer) und die ACEA (Vereinigung der europäischen Autohersteller), geht davon aus, dass mit minimalen Anpassungen auch bestehende Lagerungs-, Verteilungs- und Endnutzerinfrastrukturen für die Power-to-X-Treibstoffe genutzt werden kann. So versuche der Stahlsektor, Kohle durch einen Mix aus erneuerbaren Gasen zu ersetzen. Der Chemiesektor arbeite an der Erzeugung chemischer Rohstoffe mit erneuerbarem Wasserstoff.
 
 

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Um die Klimaneutralität im Verkehrssektor zu gewährleisten, sei es vor allem wichtig, dass eine gesamteuropäische Ausrichtung auf alle verfügbaren Technologien und Konzepte erfolge und keine Fokussierung. Damit sprechen die Industrieverbände den Garagisten aus dem Herzen. Denn nur Elektroautos allein als Königsweg würde für die Garagisten künftig weniger Arbeit und geringere Auslastung bedeuten. Bei Technologieoffenheit könnten sie sich weiterhin um Verbrenner kümmern, die dann jedoch mit klimaneutralen Treibstoffen unterwegs sind.

Eine Verbesserung der konventionellen Antriebstechnologien, die Umstellung auf alternative Antriebe und die verstärkte Nutzung klimaneutraler Treibstoffe muss – ganz im Sinne der Garagisten – für die Industrieverbände bei den künftigen Plänen der EU-Kommission auf dem Weg zur Klimaneutralität eine gewichtige Rolle spielen. Power-to-X ermögliche es dabei, importierte erneuerbare Energie aus Orten, an denen Wind- und Sonnenenergie reichlich und kostengünstig vorhanden ist, über eine bestehende Infrastruktur zu speichern und zu transportieren. Europa habe ausserdem die Chance, zu einem weltweit führenden Anbieter von Systemen für Power-to-X-Technologien zu werden und so wichtige Geschäftsfelder zu erschliessen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.
 
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Kommentare


Urs Wernli 4. Januar 2020 - 12:49
Sehr gut, dass diese Information, in verständlicher Form, auf AGVS Online gebracht wurde. Merci.