Zulieferer: Bereitschaft zeigen für strukturelle Änderungen

21. Juli 2020 agvs-upsa.ch – Die 100 weltweit grössten Automobilzulieferer haben 2019 einen Umsatzrekord verzeichnet. Mit dem technologischen Wandel und der Covid-19-Pandemie stehen für die Zukunft grosse Herausforderungen an, wie eine Studie zeigt. Die Erkenntnisse sind auch für Garagisten interessant.

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Quelle: Istock

cst./pd. 918 Milliarden Euro Umsatz haben die 100 grössten Automobilzulieferer der Welt* im Jahr 2019 erwirtschaftet. Damit ist dieser auf ein weiteres Rekordhoch gestiegen, wie die auf die Automobilindustrie spezialisierte Managementberatung Berylls Strategy Advisors im Rahmen der «Top 100-Zuliefererstudie» festgehalten hat. Bosch, Continental und Denso führen dabei die Top Ten mit einigem Abstand vor Magna, ZF Friedrichshafen und Aisin an. Hyundai Mobis, Bridgestone, Michelin und Valeo komplettieren die Rangliste der zehn umsatzstärksten Zulieferer.

Die Studie kommt zum Schluss, dass sich im Jahr 2020 einige Überraschungen ergeben könnten. Denn die Transformation rund um die «Case»-Themen – Connected, Autonomous, Shared, Electric – hat im letzten Jahr deutlich an Fahrt aufgenommen. «Der viel besagte Wendepunkt von alter zu neuer automobiler Welt scheint zumindest in den Köpfen der Top-Manager zahlreicher Zulieferer angekommen zu sein», hält Berylls Strategy Advisors fest. Dazu gehören unter anderem Investitionen in die Zukunftstechnologien und Unternehmens-Carve-outs (Abspaltung beziehungsweise Veräusserung von Unternehmensteilen): Allein bei den fünf grössten deutschen Automobilzulieferern Bosch, Continental, ZF Friedrichshafen, Mahle und Schaeffler wurden in den letzten drei Jahren über 40 Start-ups und Tech-Unternehmen übernommen oder mit Risikokapital ausgestattet.

Die gestiegenen Investitionen für «Case» und die sich abkühlende Konjunktur drücken die Margen: Während der Gesamtumsatz der weltweit 100 grössten Automobilzulieferer im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent wuchs, fiel die durchschnittliche Marge auf 6 Prozent (2018: 7,5 Prozent). Die Abspaltung der Antriebssparte von Continental als Vitesco, die Reorganisation der Automobiltätigkeiten von Thyssen Krupp oder die geplante Übernahme von Delphi Technologies durch Borg Warner sind nur einige Beispiele, die zeigen, dass die Zulieferbranche mitten im strukturellen Wandel steckt. Und sie sind ein Vorgeschmack, wie es weitergehen wird.

Mit Blick auf die Neuinvestitionen kommt die «Top 100-Zuliefererstudie» zur Erkenntnis, dass Automobilhersteller und Lieferanten in den «Case»-Technologien nur über Kooperationen ihr Ziel erreichen können. Anhaltende politische und gesellschaftliche Probleme würden jedoch einen schnellen Wandel und die Monetarisierung verzögern. «OEMs müssen sicherstellen, dass ihre hochkomplexen Lieferketten stabil bleiben und Zulieferer ihre Transformation in geordneten Bahnen fortführen können», so Jan Dannenberg, Partner bei der Top-Managementberatung. Dafür brauche es einen langen Atem. Wie der Zieleinlauf aussehen wird, hängt vom gemeinsamen strategischen Geschick aller Beteiligten – Zulieferer, OEMs, Banken, Private-Equity-Firmen und Politik – ab, die Automobilindustrie zu transformieren, heisst es weiter.

Die zukünftige Entwicklung der Automobilindustrie in Bezug auf Stückzahlen, Fahrzeugklassen, -segmente und -antriebe ist nach wie vor mit grossen Unsicherheiten verbunden. «Jeder Automobilzulieferer muss daher bereit sein, starke strukturelle Veränderungen in Kauf zu nehmen», bilanziert die Studie weiter. Erfolgsfaktoren, die zu einer intelligenten Restrukturierung im Jahr 2020/2021 beitragen, seien Prozesssicherheit, Restrukturierungsexpertise, Mobilitäts-Know-how und Stakeholder-Verständnis. Michael Beckmann, Principal bei Berylls Strategy Advisors: «Wenn die anstehenden Aufgaben jetzt ganzheitlich und intelligent angegangen werden, können Zulieferer die Herausforderungen meistern und gestärkt aus der Krise hervorgehen.»

*In der Liste der 100 weltweit grössten Automobilzulieferer sind diejenigen Unternehmen vermerkt, die im letzten Jahr einen Umsatz von mindestens 2,7 Milliarden Euro erzielt haben.
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