«Scheibenreparaturen haben grosses Potenzial»

12. Oktober 2020 agvs-upsa.ch – Eine beschädigte Windschutzscheibe zu reparieren, statt zu ersetzen, spart Zeit und Geld und schont die Umwelt. Aus diesem Grund verzichtet die Mobiliar bei der Scheibenreparatur auf einen Selbstbehalt des Autobesitzers. Ein Interview mit Stefan Schüpbach, Leiter Kompetenzzentrum Fahrzeugschäden die Mobiliar.


Quelle: Istock

sco. Bislang galt dieser Verzicht nur, wenn die Scheibe bei einem auf Glasschäden spezialisierten Partnerbetrieb der Mobiliar repariert wurde. Nun hat der Versicherer diesen Kreis der Werkstätten erweitert. Auch Garagisten dürfen Scheiben reparieren, ohne dass ihre Kunden dafür in die Tasche greifen müssen. Stefan Schüpbach, Leiter Kompetenzzentrum Fahrzeugschäden, erklärt die Hintergründe.
 

Herr Schüpbach, die Mobiliar verzichtet auf einen Selbstbehalt des Fahrzeughalters, wenn dieser eine Scheibe reparieren statt ersetzen lässt. Warum?
Stefan Schüpbach
: Wir wollen einen Anreiz für die vermehrte Reparatur von Fahrzeugscheiben schaffen. Seit dem 1. Februar 2019 erlauben die gesetzlichen Vorschriften grundsätzlich auch Reparaturen im Sichtbereich der Windschutzscheibe. Wir sehen hier ein grosses Potenzial. Eine Reparatur darf aber nie zu Lasten der Verkehrssicherheit gehen.

Bislang war dieser Entfall des Selbstbehalts den Glasschadenpartnern der Mobiliar, namentlich Desa Autoglass, vorbehalten. Warum haben Sie sich entschlossen, auch die Garagisten mit ins Boot zu nehmen?
Die Assistenzsysteme in modernen Fahrzeugen werden immer komplexer. Dadurch wird auch der Aufwand eines Scheibenersatzes immer grösser – für die Garagen wie für die Versicherungen. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass eine Scheibenreparatur nicht durch alle Reparaturwerkstätten angeboten wurde, weil die technische Ausrüstung und das Know-how nicht überall vorhanden waren. In dieser Hinsicht haben sich viele Garagen in den letzten Jahren stark entwickelt, in die Ausrüstung investiert und Know-how aufgebaut. Diese Fortschritte bei neuen Glasreparaturwerkzeugen und die verbesserten Reparaturergebnisse stimmen uns positiv.

Von wem ging die Initiative für diese ­Zusammenarbeit aus?
Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich stamme ursprünglich aus dem Autogewerbe, deshalb liegt mir die Branche sehr am Herzen. Wir sind seitens Mobiliar seit Jahren  in regem Austausch mit dem Bereich Branchenvertretung beim AGVS. Wir waren und sind immer an einer Zusammenarbeit mit den Garagen interessiert. 

Eine Scheibenreparatur ist nicht nur ökologischer, sondern auch kostengünstiger als ein Ersatz. Wie viel kosten kaputte Windschutzscheiben die Mobiliar jedes Jahr?
Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 50 Millionen Franken. Nicht zu unterschätzen ist auch der geringere Zeitbedarf einer Reparatur.

Und mit welchem Einsparpotenzial ­rechnen Sie, wenn mehr Scheiben repariert werden können?
Das Sparpotenzial ist gross! Und zwar nicht nur in finanzieller, sondern auch ökologischer Hinsicht. Wenn mehr Windschutzscheiben repariert werden, reduziert sich der Glasabfall und damit die Umweltbelastung. Wenn wir von einer realistischen Reparaturquote zwischen 15 und 20 Prozent ausgehen, resultiert ein Sparpotenzial von rund 10 Prozent. 

Welche Voraussetzungen muss ein Garagist erfüllen, wenn er im Auftrag der Mobiliar eine Schreibe reparieren will?
Der Kunde erteilt den Auftrag, nicht die Mobiliar. Die Garage muss über die entsprechende Fachkenntnis und Ausrüstung verfügen. Das Fahrzeug soll nach der Reparatur absolut verkehrssicher sein und der Kunde sich darauf verlassen können. Die Haltung des Reparateurs und die Kommunikation mit dem Kunden sind ebenfalls wichtige Erfolgsfaktoren.

Wie wird der Garagist vergütet? Kann er nach Aufwand abrechnen oder gibt es einen Fixbetrag?
Der durchschnittliche Zeitbedarf für die Reparatur einer Frontscheibe beträgt 30 Minuten und wird aktuell üblicherweise pauschal mit 220 Franken abgerechnet.
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