Wie sich die ESA für die Aus- und Weiterbildung einsetzt

6. Juli 2020 autoberufe.ch – Matthias Krummen und Niklaus Huwyler sprechen über das Engagement der ESA im Bereich Bildung. Davon profitieren auch der AGVS und die Lernenden. Das wichtigste Dokument dabei: die Statuten der ESA.


Niklaus Huwyler (l.) und Matthias Krummen vor dem Roll-up des Mechanixclubs, der mittlerweile 11 500 Member zählt. Quelle: AGVS-Medien

sco. «Die Interessen der Mitglieder fördert sie (die ESA, Anm. d. Red.) auch durch Unterstützung der Berufsverbände des Schweizerischen Auto- und Motorfahrzeuggewerbes, insbesondere für die berufliche Aus- und Weiterbildung.» Der Satz steht in Artikel 2 der ESA-Statuten, die den Zweck der Genossenschaft umschreibt.

«Dies ist seit 1930 unser statutarischer Auftrag», sagt Matthias Krummen, Leiter Management Services und Kommunikation bei der ESA. Diesen Auftrag interpretiert die ESA heute in vier Bereichen:
  • Finanzielle Unterstützung: Sie wird traditionsmässig jeweils im Rahmen der Fachausweisübergaben der Automobildiagnostiker und Automobil-Werkstattkoordinatoren publik. Alljährlich übergibt Matthias Krummen in diesem feierlichen Rahmen einen Scheck an die Bildungsverantwortlichen des AGVS. Der Betrag wird jährlich von der ESA-Generalversammlung auf Antrag des ESA-Vorstandes festgelegt. In den letzten Jahren waren es jeweils 20 000 Franken.
  • Gerätschaften und Material: Die ESA stellt für Berufsmeisterschaften wie die SwissSkills und für die Ausbildungszentren Gerätschaften und Material zur Verfügung: Die Sonderkonditionen werden individuell festgelegt – je nach Einsatzzweck und -dauer.
  • Mechanixclub: 2011 gegründet, zählt der Klub der Lernenden und jungen Berufsleute mittlerweile 11 500 Member. Tendenz steigend, denn jedes Jahr treten über 1000 neue Lernende dem Klub bei. Dessen Leistungen sind kostenlos.
  • Mechanixcampus: Die Schulungsplattform der ESA fasst relevante Kursangebote verschiedener Anbieter übersichtlich zusammen.
Niklaus Huwyler ist als Leiter Garagenkonzepte und Kundenbindung auch Hauptverantwortlicher für den Mechanixclub. Die Erfolgsgeschichte basiere auf vier Pfeilern, erklärt Huwyler: «Lernen, Profitieren, Erleben, Gewinnen. Man kann das als Infotainment bezeichnen.» 

Natürlich steht das Lernen im Zentrum. Mit den «Basic Sheets» und den «Technic Sheets» werden wichtige Inhalte auf verständliche, kompakte Weise vermittelt. Während sich die «Basic Sheets» schon an Lernende im ersten Lehrjahr richten, sind die «Technic Sheets» ab dem zweiten Lehrjahr vorgesehen. «Aber es kann auch später nicht schaden, ab und zu einen Blick in diese Sheets zu werfen – gerade, wenn man an eine Aufgabe herangeht, die man nicht jeden Tag vor sich hat», sagt Niklaus Huwyler. Rege genutzt werden auch die QV-Übungsserien für die Prüfungsvorbereitung.

Das Lernen mag der wichtigste Bereich im Mechanixclub sein. Doch um die jungen Leute auf die Plattform zu bringen, braucht es mehr als gut geschriebene und attraktiv aufbereitete, aber letztlich trockene Informationen. Hinter dem Klub steht – wie der Name schon sagt – der Gedanke, eine Community aufzubauen. «Das Erfolgsgeheimnis ist wohl der Mix aus den vier genannten Punkten», erklärt Niklaus Huwyler. Der Mechanixclub ist an zahlreichen Branchenevents mit einem eigenen Stand und eigenen Leuten vor Ort: seien es Berufsmessen und -meisterschaften, seien es die «Future Days» in Vauffelin oder auch der Auto-Salon, wo der ESA-Stand mit dem Mechanixclub traditionell den Abschluss des technischen Rundgangs für die Lernenden bildet. «An solchen Events lernen sich immer auch Menschen kennen und tauschen sich aus», sagt Matthias Krummen. «Wir wollen die Jungen ansprechen, für einen Beruf im Autogewerbe begeistern und die Attraktivität der Branche steigern. Es geht auch darum, die Abwanderung in andere Branchen zu verhindern oder wenigstens zu verringern.»

Auf dieses Konto zahlen die Punkte «Erleben» und «Gewinnen» ein. So gibt es jedes zweite Jahr eine Reise an die SEMA nach Las Vegas zu gewinnen. Der Wettbewerb dauert mehrere Wochen, während denen verschiedene Aufgaben zu bewältigen sind. Am Schluss fliegen zwei junge Mechanixclub-Member an die schrillste Autoshow der Welt. Ein unvergessliches Erlebnis.

11'500 Mitglieder zählt der Mechanixclub mittlerweile. Jene Member, die 2011 bei der Gründung des Klubs beitraten, sind mittlerweile rund 25 Jahre alt, vielleicht schon selbstständig oder in einer leitenden Position. Auch für sie soll der Mechanixclub weiter attraktiv bleiben, sagt Niklaus Huwyler: «Das Durchschnittsalter unserer Member steigt. Das bedeutet, dass wir thematisch breiter werden. Neben Programmpunkten, die klar auf die Lernenden ausgerichtet sind, bieten wir heute auch Inhalte an, die für die etwas älteren Berufsleute spannend sind.»

Für diese Gruppe ist unter anderem auch der Mechanixcampus gedacht, den die ESA vor einem Jahr lanciert hat. Diese Schulungsplattform bietet einen Überblick über Weiterbildungskurse verschiedener Anbieter – unter anderem auch des AGVS. Der Garagist überlege sich heute sehr genau, welchen Kurs er besucht oder welche Mitarbeitende er in welche Weiterbildung schickt, erklärt Niklaus Huwyler: «Die Garagisten sind sehr selektiv geworden. Das Teure an einer Weiterbildung ist nicht das Kursgeld, sondern die Zeit, die man investiert. Hier besteht die Herausforderung darin, Angebote zu machen, die wirklich relevant sind.» Aktuell sind Kurse über Hochvolt-Technik sowie über Assistenzsysteme sehr gefragt.

Die Corona-Pandemie und der wirtschaftliche Lockdown der Schweiz haben die Autoindustrie und das Autogewerbe hart getroffen. Auch die ESA musste ihre rund 600 Mitarbeitenden zeitweilig in Kurzarbeit schicken. Entsprechend dürfte das Geschäftsergebnis 2020 nicht mit dem Rekordjahr 2019 mithalten können. Auf das Bildungsengagement der ESA werde dies keinen Einfluss haben, sagt Matthias Krummen: «Der statutarische Auftrag besteht. An unserer Strategie wird Corona nichts ändern.» Natürlich sei es auf operativer Ebene zu verschiedenen Absagen gekommen: «Wir mussten verschiedene Schulungen und Events absagen. Aber das geschah nicht aus Kostengründen, sondern war durch die Verordnung des Bundesrates leider unausweichlich. Denn die Sicherheit all unserer Kundinnen und Kunden und aller Mitarbeitenden steht an erster Stelle.»
 
Interview mit Manuela Jost, verantwortlich für die AGVS Business Academy

Partnerschaft AGVS/ESA

Frau Jost, mit welchen drei Adjektiven würden Sie die Partnerschaft AGVS/ESA im Bildungsbereich umschreiben?
Manuela Jost: Ich würde unsere langjährige Partnerschaft als dynamisch, leidenschaftlich und auch einzigartig bezeichnen. Wir verfolgen die Ziele in unserer Branche mit grossem gemeinschaftlichem Engagement und mit gegenseitiger Wertschätzung.

Die ESA überreicht dem AGVS jedes Jahr einen Scheck über 20 000 Franken für die Aus- und Weiterbildung. In welche ­konkreten Projekte fliesst dieses Geld?
Der AGVS tauscht sich unter anderem national und regional mit den Verantwortlichen in den Themen Berufsbildung intensiv aus. Hier entstehen unter anderem zahlreiche Ideen zur Nachwuchsförderung wie beispielsweise das AGVS-Schnuppertagebuch, die Lehrabgänger-Umfrage, Videos und gemeinsam mit den Sektionen planen wir so entsprechende Massnahmen auch für die Grund- und Weiterbildung. 

Auf der Plattform Mechanixcampus sind auch sämtliche AGVS-Kurse aufgeführt. Welches Ziel verfolgen Sie damit?
Für uns ist wichtig, dass wir bei unserem Partner präsent sind und wir von den Stärken gegenseitig profitieren. Einerseits sind wir mit unseren Weiterbildungsangeboten der Business Academy beim Mechanixcampus präsent und führen Infoveranstaltungen zu Aus- und Weiterbildungen wie den «Future Day» in Vauffelin oder den Autoberufe-Karriereabend gemeinsam durch. Damit zeigen wir gemeinsam auf, wie attraktiv und vielseitig das Autogewerbe ist und wollen so unsere Fachkräfte in der Branche halten.

Sind weitere Formen der Zusammenarbeit geplant? Wenn ja, welche?
Im Zuge der rasanten technologischen Entwicklung sehen wir im Bereich der neuen Antriebstechnologien oder auch bei Fahrerassistenzsystem Potenzial zur Zusammenarbeit. Das diesbezügliche Know-how unserer AGVS-Ausbildungscenter könnte ja auch die ESA-Garagenkonzeptbetriebe von Nutzen sein.





Manuela Jost, verantwortlich für die AGVS Business Academy. Quelle: AGVS-Medien

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