Mehr Lehrstellen für Neuenburg

21. August 2019 agvs-upsa.ch – Durch eine Sondersteuer auf allen Löhnen ab 2020 und ein kantonales Förderprogramm will Neuenburg Lehrstellen für Jugendliche und Unternehmen attraktiver machen.

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jas. Der Grosse Rat des Kanton Neuenburg hat 2019 eine Steuerreform verabschiedet, die auch Auswirkungen aufs Lehrstellenangebot im Kanton haben wird. «Der Kanton Neuenburg hatte bislang im Durchschnitt etwa 1000 Lehrstellen weniger als andere Schweizer Kantone», erklärt Pierre Daniel Senn, AGVS-Zentralvorstandsmitglied und Garagist in Neuenburg. «Lediglich 11 Prozent der Unternehmen im Kanton Neuenburg bieten überhaupt Ausbildungsplätze für junge Berufseinsteiger an.» Während das duale Modell der Schweizer Ausbildung mit Arbeiten im Betrieb und einer parallel dazu stattfindenden Ausbildung in den Berufsschulen weltweit auf grosses Interesse stösst und immer wieder als gutes Beispiel herangezogen wird, scheint das Modell in Neuenburg nicht mehr zu greifen. «Viele Schüler ziehen es vor, im gewohnten schulischen Umfeld zu bleiben und die Grundbildung in einer der vielen Schulen im Kanton fortzuführen statt den Wechsel ins duale System der Berufslehre zu wagen», erläutert Senn.

Das soll sich nun ändern. Daher hat der Kanton den sogenannten «Contract-Formation» (Lehrstellen-Vertrag) für den Zeitraum bis 2025 unterzeichnet. Dies auch, um die Ausbildungskosten zu senken. Der Westschweizer Kanton gibt nämlich doppelt so viel für die Ausbildung aus wie der Schweizer Durchschnitt. Das liegt unter anderem am hohen Anteil an Schülern, die laut Zahlen der Neuenburger Regierung mit durchschnittlich 27’716 Franken jährlich zu Buche schlagen, während ein Berufsschüler im dualen System mit 9612 Franken rund dreimal weniger kostet. Und dies, obwohl die Absolventen des dualen Systems am Schluss ihrer Lehre nicht nur zufriedener, sondern auch klar weniger von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

«Um diese 1000 Lehrstellen zu schaffen, will man nun zum einen das Überangebot an Schulplätzen senken, die verhindern, dass eine Berufslehre gestartet wird. Zum anderen Unternehmen belohnen, die Lehrstellen schaffen», erklärt Pierre Daniel Senn. «Man setzt also durch das neue Gesetz gleich an zwei Hebeln an: Man verringert das Schul- und fördert gleichzeitig das Lehrstellenangebot.» Finanziert wird diese Lehrstellenförderung im Rahmen des Lehrstellen-Vertrags durch eine Steuer von 0.58 Prozent per 1. Januar 2020 auf allen Löhnen. «Die Neuenburger Wirtschaft steht nun auch in der Pflicht, die nötigen Lehrstellen zu schaffen. Jeder Unternehmer erhält bis zu 5600 Franken pro Jahr und Lehrstelle aus dem Fond als Anreiz – ein ansehnlicher Betrag», erklärt der AGVS-Vizepräsident, der sich bereits seit 25 Jahren für die Belange der Schweizer Garagisten einsetzt.

Vor allem Lehrstellen im Bereich Technik werden stark gefördert. Davon können folglich auch Automobil-Mechatroniker/innen profitieren. Somit ist der Lehrstellen-Vertrag auch ein spannender Aspekt für viele Garagisten. Sie sollten sich daher gut überlegen, ob sie in ihrem Betrieb nicht Platz und Zeit haben, einen Lehrling auszubilden und so etwas für die Zukunft der Branche zu tun und gleichzeitig vom Neuenburger Förderungssystem zu profitieren.
www.ne.ch/contratformation
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