Lehrgang startet neu auch in der Romandie

26. August 2020 agvs-upsa.ch – Was in der Deutschschweiz vor fünf Jahren erfolgreich eingeführt wurde, soll künftig auch in der französischsprachigen Schweiz verankert werden. Im kommenden Jahr ist vorgesehen, dass der erste Lehrgang für Fahrzeugrestauratorinnen und Fahrzeugrestauratoren in der Westschweiz startet.

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Quelle: Istock

tj./cst. Mit der Lancierung des ersten Lehrgangs für Fahrzeugrestauratoren im November 2015 wurde in der Deutschschweiz ein neuer Autoberuf ins Leben gerufen. Seither sind insgesamt fünf Lehrgänge für die Fachrichtung Automobiltechnik und ein Lehrgang für die Fachrichtung Carrosseriespenglerei gestartet. Das Interesse an der tertiären Weiterbildung ist hoch: Jedes Jahr konnte ein Lehrgang mit der Fachrichtung Automobiltechnik den Unterricht aufnehmen. Insgesamt absolvierten bereits drei Jahrgänge die Berufsprüfung «Fahrzeugrestaurator/-in mit eidg. Fachausweis» in den beiden Fachrichtungen.

Damit der Lehrgang und das Gewerbe für Fahrzeugrestauratoren künftig noch breiter abgestützt sind, beabsichtigt die Interessengemeinschaft Fahrzeugrestaurator Schweiz (IgFS), den Lehrgang nun auch im französischsprachigen Raum anzubieten. Seit ihrer Gründung im Jahr 2011 setzt sich die IgFS als Fachverband für Fahrzeugrestauratorinnen und Fahrzeugrestauratoren historischer Fahrzeuge und Verkehrsmittel aller Arten ein. Die zuständigen Bildungspartner für die Romandie sind bereits bestimmt: Für die Unterrichtsmodule «Projekte», «Motor» und «Restaurierungsberatung» ist das Centre de formation des metiers de l'automobile in Freiburg zuständig. Der Unterricht für die Module «Antrieb» sowie «Aufbau und Fahrwerk» findet im Centre de Formation UPSA in Genf statt, während das Modul «Autoelektrik» im Centre de Formation UPSA in Yverdon-les-Bains durchgeführt wird.

Der Lehrgang «Fahrzeugrestaurator/-in mit eidg. Fachausweis» ist den Berufsprüfungen des AGVS – Automobildiagnostiker/-in, Automobil-Werkstattkoordinator/-in, Kundendienstberater/-in, Automobil-Verkaufsberater/-in und Strassenhelfer/-in – gleichgestellt. Dies bedeutet, dass Absolventinnen und Absolventen mit diesem Fachausweis ebenfalls den Zugang zur höheren Fachprüfung «diplomierte/r Betriebswirt/-in im Automobilgewerbe», ehemals Meisterprüfung, erhalten.

Die tertiäre Weiterbildung besteht zu einem Drittel aus theoretischem Unterricht und zu zwei Dritteln aus praktischen Lektionen. Die Unterrichtsdauer beträgt total 448 Stunden und die Kosten belaufen sich auf 18'000 Franken exklusive Mehrwertsteuer. Der Bund subventioniert den Teilnehmenden den Vorbereitungskurs zu 50 Prozent, wenn sie die Kosten persönlich tragen und die Abschlussprüfung vollständig absolviert haben. Der erste Lehrgang für Fahrzeugrestauratorinnen und Fahrzeugrestauratoren in der Romandie soll im Oktober 2021 in Freiburg mit dem Modul 1 «Projekte» starten. Der Lehrgang endet im Herbst 2023, wobei die erste Prüfung im Februar 2024 stattfindet.

Inzwischen laufen intensive Arbeiten, um den Lehrgang in der Westschweiz zu etablieren. Dabei darf die IgFS auf die Unterstützung des Vétéran Car Club Suisse Romand zählen. Dessen designierter Präsident Roland Bandieri und Gilles van Mesdag von der technischen Kommission engagieren sich, indem sie als IgFS-Vertreter für die französischsprachige Schweiz Betriebe informieren und zusammenführen. Für Interessierte an der Weiterbildung finden am 8. Oktober 2020 und am 12. Januar 2021 im Centre Patronal in Paudex Informationsveranstaltungen statt. Zusätzlich gibt es für Garagisten, die massgeblich im Fahrzeugrestaurierungssektor tätig sind und Interesse an gut ausgebildeten Fachkräften haben, einen Informationsanlass. Dieser wird am 22. Oktober 2020 im Centre Patronal in Paudex durchgeführt.
 
«Es ist wichtig, das Interesse der Jungen zu wecken»

Roland Bandieri, wie schätzen Sie die aktuelle und zukünftige Fachkräftesituation in der Fahrzeugrestaurierungsbranche ein?
Roland Bandieri, designierter Präsident Vétéran Club Suisse Romand: Derzeit sind qualifizierte Fachkräfte, die in der Lage sind, historische Fahrzeuge instandzuhalten und zu reparieren, noch zu finden. Leider sind diese Personen aber mehrheitlich schon nah am Pensionsalter oder eigentlich bereits pensioniert. Im Bereich der Restaurierung ist die Situation noch akuter. Deshalb ist es wichtig, das Interesse der jungen Generation zu wecken.

Was erhoffen Sie sich vom Lehrgang Fahrzeugrestaurator/-in für die Romandie?
Wir hoffen, mit der Einführung des Lehrgangs «Fahrzeugrestaurator/-in mit eidg. Fachausweis» die «alten Hasen» zu motivieren, ihr Wissen an junge Berufsleute weiterzugeben. Wir möchten den Absolventinnen und Absolventen die Leidenschaft für die Berufe vermitteln, die vom Aussterben bedroht sind.

Für welches Zielpublikum ist die tertiäre Weiterbildung gedacht?
Dieser Beruf richtet sich speziell an Mechaniker mit hohem handwerklichem Geschick, die gerne sorgfältig arbeiten und ältere Fertigungs­techniken verstehen. Ferner muss man damit leben können, dass man die Ersatzteile für diese historischen Fahrzeuge nicht einfach beim Autohändler bekommt, da es die Marke oft nicht mehr gibt. Eine gehörige Portion Tüftel- und Vorstellungsvermögen sowie ein ausgeprägter Sinn für Mechanik sind daher unerlässlich.
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