Faszination Automobil ist ungebremst

17. Dezember 2020 agvs-upsa.ch – Die Lehrabgänger-Umfrage 2020 zeigt, dass die Berufswerbung im Internet immer mehr an Bedeutung gewinnt. Trotz Digitalisierung bleiben Schnupperlehren der wichtigste Faktor, der über die Berufswahl entscheidet. Erfreulich: Rund zwei Drittel der Lehrabgänger geben an, eine Weiterbildung zu machen.
 
20200710_lehrstellenpuls_text_2.jpgQuelle: AGVS-Medien

om/cst. Statt der nationalen «SwissSkills» fanden dezentral die «SwissSkills Championships» statt, Berufsmessen wurden abgesagt oder ersatzweise ins Internet verschoben, Schnupperlehren waren während des Lockdowns nicht möglich, die Qualifikationsverfahren wurden verkürzt durchgeführt: Für den Berufsnachwuchs war das Jahr 2020 kein einfaches. Trotz aller Herausforderungen haben im Corona-Sommer rund 2700 Lernende aus dem Automobilgewerbe ihre berufliche Grundbildung abgeschlossen und ihre eidgenössischen Fähigkeitszeugnisse beziehungsweise ihre Berufsatteste erhalten. Wie in den vergangenen Jahren hat der AGVS auch heuer die Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger über ihre Lehrzeit und ihre berufliche Zukunft befragt. Über 1000 Absolventinnen und Absolventen der technischen Grundbildungen Automobil-Assistent/-in (12,9%), -Fachmann/-frau (53,3%) sowie -Mechatroniker/-in (33,7%) nahmen daran teil.
 
Wer oder was hat Ihre Berufswahl besonders beeinflusst?

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Die wichtigsten Erkenntnisse: Leicht stärker als in den Vorjahren wird Berufswerbung im Internet (59%, +1,6%), auf Social Media (44,5%, +2,2%) und an den Berufsmessen (41,7%, +3,9%) wahrgenommen. Im Gegensatz dazu ist ein leichter Rückgang beim TV und Kino festzustellen, während die klassischen Werbekanäle Zeitungen und Zeitschriften im Vergleich zu den Vorjahren viel weniger genannt werden. «Aufgrund der Corona-bedingten Absage verschiedener Berufsmessen, -informationen und -demonstrationen war es die richtige Entscheidung, Ersatzformate ins Leben zu rufen», erklärt AGVS-Bildungsverantwortliche Olivier Maeder. Dazu gehören zum Beispiel das Online-Schnuppern, multimediale Porträts und Präsentationsvideos der AGVS-Grundbildungen auf autoberufe.ch oder auf Social Media. «Massnahmen wie diese konnten den Ausfall teilweise kompensieren», so Maeder und fügt an: «Auch wenn diese Ersatzformate die Vor-Ort-Veranstaltungen nicht ersetzen.»
 
Ich bin froh, dass ich mich für diese Ausbildung entschieden habe und würde diese weiterempfehlen
bild_1_ich_bin_froh_dass_ich_mich_fuer_diese_ausbildung.pngAuf die Frage, welche Internetplattformen zur Lehrstellensuche genutzt wurden, antworteten die meisten mit Lena Lehrstellennachweis / berufsberatung.ch / myBerufswahl.ch / lehrstellenbörse.ch (28,6%). Zudem wird die private Lehrstellenplattform yousty.ch und erfreulicherweise auch autoberufe.ch immer stärker genutzt. «Die Resultate zeigen, dass es für Lehrbetriebe ein Muss ist, ihre Lehrstellen auf Lena auszuschreiben», sagt Olivier Maeder. Die Faszination Automobil (74,1%) hat die Befragten am Beruf besonders angesprochen genauso wie die breite technische Ausbildung (49%) und die Vielseitigkeit des Berufs (48,3%).
 
Nach wie vor ist die Schnupperlehre (74,2%) der wichtigste Beeinflusser, der schlussendlich über die Berufswahl entscheidet. Es folgen Gespräche mit den Eltern (25,8%), Freunden (21,1%) und mit anderen Familienmitgliedern (14,7%). «Für einen Garagenbetrieb ist aus Sicht des ‹Schnuppernden› enorm wichtig, ein interessantes Praktikum anzubieten. Der AGVS stellt diesbezüglich ein Schnuppertagebuch inklusive Leitfaden auf autoberufe.ch zur Verfügung», betont der AGVS-Bildungsverantwortliche. Da auch die Gespräche einen grossen Einfluss auf die Berufswahl haben, sei ein gutes Image der Branche und positive Erfahrungen dieser Beeinflusser ebenfalls sehr wichtig. Der Eignungstest, der von 12,4% der Lehrabgänger genannt wurde, dient insbesondere, um die richtige Wahl des technischen Autoberufes aus schulischer Sicht zu bestätigen.
 
 Welche Internetplattformen haben Sie zur Lehrstellensuche genutzt?
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Rund die Hälfte der Teilnehmenden der Lehrabgänger-Umfrage 2020 beurteilt die Leistungsziele der Berufsfachschule (BFS) als anspruchsvoll, mehr als ein Drittel findet diese genau richtig. Die Lehrziele der überbetrieblichen Kurse (üK) werden von knapp 45% als «genau richtig» und von 42% als «anspruchsvoll» beurteilt. «In den letzten Jahren ist der Anteil ‹genau richtig› um fast 10% angestiegen, was auf eine praxisnahe Ausbildung hindeutet», sagt Olivier Maeder. Zusammenfassend lasse sich sagen, dass die Ziele der BFS und der üK die Lernenden wirklich fordern, jedoch auch realistisch zu erreichen sind. Insgesamt sind die Lehrabgänger sehr zufrieden mit ihrer Lehrzeit: 89% geben an, froh zu sein, sich für ihre Ausbildung entschieden zu haben und würden sie auch weiterempfehlen.
 
Was die berufliche Zukunft betrifft, ergeben sich folgende Resultate: 91% der befragten Automobil-Mechatroniker/-innen kennen das Weiterbildungsangebot im Autogewerbe, 80% sind es bei den Automobil-Fachmänner/-frauen und 66% bei den Automobil-Assistenten/-innen. «Die Ergebnisse sind erfreulich, trotzdem sollten nach einer drei- oder vierjährigen EFZ-Lehre eigentlich alle das Weiterbildungsangebot zumindest kennen. Da ist somit noch Potenzial vorhanden», zieht Maeder Bilanz.

Insgesamt geben rund zwei Drittel der Lehrabgänger an, eine Weiterbildung zu machen. Neben den beiden Zusatzausbildungen zum Automobil-Mechatroniker und zum Automobil-Fachmann liegt die Weiterbildung zum Automobildiagnostiker hoch im Kurs.

Olivier Maeder empfiehlt den Bildungsverantwortlichen der AGVS-Sektionen und der Betriebe, die Resultate nach individuellen Kriterien wie Kanton und Beruf zu filtern und allfällige Massnahmen einzuleiten, um die Zufriedenheit der Lehrabgänger mit ihrer Lehrzeit noch weiter zu erhöhen. Hier geht zur Studie.

 
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