Esther Amrein ist die erste Kursleiterin im ABZ Horw

23. April 2019 agvs-upsa.ch – Da der Rücken die geliebte Werkstattarbeit verunmöglicht, widmet sich Esther Amrein nun voll und ganz ihrer zweiten Passion, der Lehrlingsausbildung. Sie ist die allererste Kursleiterin im ABZ in Horw.

ds. Esther Amrein aus Schwarzenberg stammt aus einer Garagistenfamilie. Ihr Vater führte bis vor Kurzem die Garage Fuchs im Reusszopf in Luzern. Wie der Vater so die Tochter? Mitnichten. «Meine Eltern waren alles andere als begeistert, als ich mich in der Schulzeit für den Automech zu interessieren begann», erzählt sie. Ein Mädchen in einer Männerdomäne hätte hartes Brot zu kauen, so die Begründung. Doch die heute 43-Jährige setzte sich durch. Nach der Lehre zum Automechaniker hängte sie gleich eine Zusatzlehre zum Fahrzeugelektriker an. Darauf folgten einige Weiterbildungen, unter anderem zum Automobil-Diagnostiker. 

Auch die Rolle innerhalb des Betriebs wandelte sich im Lauf der Jahre. Esther Amrein wirkte unter anderem als Werkstattchef und Leiter Fahrzeugannahme. Der geneigte Leser bemerkt die durchwegs männlichen Berufsbezeichnungen. Für Amrein sind sie kein Problem: «Das ist Tradition und ich fühle mich als Frau überhaupt nicht diskriminiert.» 

Schon eher störte sie, wenn sie von Kunden nicht ernst genommen wurde. Als einmal ein Mann die Garage betrat und den Werkstattchef sprechen wollte, antwortete sie, dass der Werkstattchef gerade vor ihm stehe. Darauf verlangte der Kunde nach dem obersten Chef. Letztlich musste er aber doch mit ihr vorliebnehmen – und staunte nicht schlecht ob des Fachwissens der vermeintlich inkompetenten Mitarbeiterin.

 

Esther Amrein mit dem angehenden Automobil-Fachmann Antonio Pileggi (19) im Lehrbetrieb Auto Fuchs und Schmid AG in Reussbühl. (Bild apimedia)

Neuausrichtung unumgänglich
Alles in Butter also? Keineswegs. Aufgrund chronischer Rückenbeschwerden musste sie vor einigen Jahren das geliebte «Schruube» an den Nagel hängen. Im ersten Moment spielte sie mit dem Gedanken, sich ganz aus dem Autogewerbe zurückzuziehen. Doch dann wechselte sie innerhalb des Betriebs in ein neues Tätigkeitsfeld. Als sie das Inserat sah, in dem ein neuer Kursleiter für das ABZ in Horw gesucht wurde, bewarb sie sich sogleich. Im Betrieb hatte sie während vieler Jahre Lernende ausgebildet. 

Wichtig ist für Esther Amrein in der Ausbildung ein gutes Klima. Ohne aber jemals den Lernerfolg aus den Augen zu verlieren. Für diesen ist sie auch bereit, mit den Lernenden nach Feierabend oder am Wochenende zu arbeiten, theoretisch wie praktisch. Kein Wunder schwärmen die Lehrabgänger von ihrer Berufsbildnerin. Es gab sogar solche, die nach der Lehre in den Betrieb kamen, um sich bei ihr zu bedanken. «Ohne dich hätte ich es nie geschafft», sagte einer.

«Leuchten in den Augen»
Am 1. Mai 2019 ging es los: Die erste Kursleiterin im AGVS Zentralschweiz nahm ihren Dienst auf. Esther Amrein freut sich riesig auf die Arbeit mit den Jugendlichen. Sie in einem wichtigen Abschnitt ihres Lebens begleiten zu können, sei ein schönes Gefühl, erzählt sie. «Ebenso das Leuchten in den Augen zu sehen, wenn jemand den Knopf auftut.» 

Der Unterschied zur Lehrlingsbetreuung im Betrieb: Im ABZ kommen die Jugendlichen wochenweise, wodurch keine enge Bindung entstehen kann. Dafür lernt man viele Charaktere und Ansichten kennen. Und zusätzliches Fachwissen, verfügen doch die Lernenden aus ihrem Lehrbetrieb oft über vertiefte Kenntnisse in den einzelnen Marken. 

Esther Amrein hofft, dass sie auch vermehrt Mädchen begleiten darf. «Die Autoberufe eignen sich hervorragend für junge Frauen», sagt sie. Einzige Einschränkung: «Lange, gestylte Fingernägel sind in der Garage nicht so praktisch.» 
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