Die Trends erkennen

20. Dezember 2019 agvs-upsa.ch – Olivier Maeder ist Bildungsverantwortlicher und Geschäftsleitungsmitglied des AGVS. Der ausgebildete Automobilingenieur erklärt, wie der Verband in der Aus- und Weiterbildung auf die technologische Entwicklung in der Automobilindustrie reagiert und wieso die Klimastreiks keine Auswirkungen auf die Rekrutierung haben.
 
abi. Herr Maeder, die technologische Entwicklung in der Automobilindustrie schreitet rasch voran. Welche Auswirkungen hat das auf die Aus- und Weiterbildungsangebote des AGVS?

Olivier Maeder: Wir müssen die Inhalte der Grund- und Weiterbildung regelmässig überprüfen und bei Bedarf aktualisieren. Das ist für uns aber nicht neu: Das Automobil hat sich in den vergangenen 100 Jahren stetig weiterentwickelt – einfach noch nie so schnell wie heute. Das zeigt sich beispielsweise bei den Fahrerassistenzsystemen, die in neuen Fahrzeugen stark verbreitet sind. Vor wenigen Jahren waren sie noch eine Exklusivität in der Automobildiagnostiker-Ausbildung, heute sind sie Bestandteil der Grundbildung zum Automobil-Mechatroniker. Das zeigt die Geschwindigkeit der Entwicklung.

Wie schafft es der AGVS, mit der Entwicklung Schritt zu halten?
Wir versuchen, so gut wie möglich vorausschauend zu handeln und Trends und Entwicklungen zu erkennen. Dabei helfen uns unser Netzwerk und der Austausch mit Importeuren und Herstellern. Zudem stehen wir in Kontakt mit unseren deutschen Kollegen vom Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe ZDK. Ihr System bezüglich Grundbildung ist mit unserem vergleichbar – sie sind ein guter Sparringpartner für uns. Zudem ist der neue Bildungsplan eher offen und nicht mehr so detailliert formuliert. Die Details sind im Ausbildungsprogramm geregelt. Dadurch erhalten wir mehr Spielraum, denn wir können selbstständig und zusammen mit Berufsfachschulen und den ÜK-Zentren Anpassungen vornehmen, ohne gleich eine Revision anstossen zu müssen. Dadurch sind wir viel schneller.

Und der AGVS schafft neue Grundbildungen.
Genau. Mit neuen Grundbildungen können wir die Entwicklung ebenfalls abdecken. Ein Beispiel ist die neue Branche mit dem Arbeitstitel «Mobilitätsberatung im Verkauf», die wir angestossen haben und deren Chancen für eine Umsetzung gut stehen. Bislang konnten wir in der Branche den Verkauf und die Beratung von Fahrzeugen in der Grundbildung nicht selber ausbilden. Das Bedürfnis nach einer Grundbildung im Bereich Automobilverkauf und den dazugehörenden Mobilitätsdienstleistungen nimmt jedoch stetig zu, um dem Wandel in der Branche zu begegnen. Ausserdem engagieren wir uns im Rahmen der Berufsbildung 2030 im Projekt «Flexibilisierung der Berufsbildung aus Sicht der Arbeitswelt», um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.


 

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Wie wirkt sich die CO2-Diskussion auf die Rekrutierung aus? Ist es heute bei den Schulabgängern, die freitags fürs Klima demonstrieren, verpönt, einen Autoberuf zu erlernen?
Nein, das denke ich nicht und wäre ja auch falsch. Denn die Fachkräfte in der Garage stellen sicher, dass die Fahrzeuge technisch einwandfrei funktionieren und die Umwelt nicht unnötig belasten. Garagisten tun sehr wohl etwas fürs Klima – gerade auch mit dem AutoEnergieCheck AEC! Auch sind die Diskussionen rund ums Thema «Mobilitätswandel» für uns eine Chance: Wir erhalten vermehrt Anfragen von Journalisten zur Zukunft unserer Berufe und können dazu Stellung nehmen.

Die klassischen Mechaniker von einst müssen heute schon beinahe Informatiker sein. Geht dadurch gerade auch für Sie als ausgebildeter Automobilingenieur die Faszination an den Berufen im Autogewerbe etwas verloren?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe meine Ausbildung vor über 30 Jahren abgeschlossen und schon damals war der Elektrik-/Elektronik-Anteil hoch. Heute ist zwar der Mechanik-Anteil gesunken, aber gerade die Vielseitigkeit und die Weiterentwicklung machen die Berufe so spannend. Ich denke da auch an die alternativen Antriebe. Ich würde die Ausbildung heute genauso gerne wieder machen und beneide die heutige Generation fast ein wenig: Sie erleben noch viel mehr neue Technologien als wir damals. Ich bin unserer Branche treu geblieben, weil sie so viele Möglichkeiten für die persönliche Weiterentwicklung bietet – vom Mechatroniker über den Verkauf bis zum Geschäftsführer.

Das ganze Interview gibt es im AUTOINSIDE 01/2020 zu lesen.

Olivier Maeder am «Tag der Schweizer Garagisten» 2020
Der AGVS-Bildungsverantwortliche diskutiert am 14. Januar 2020 in Bern am «Tag der Schweizer Garagisten» auf dem Podium mit. Kurzentschlossene können sich jetzt noch spontan für die Branchentagung anmelden.
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