Alle 2700 Lehrabgänger erhalten ihre Chance

27. April 2020 agvs-upsa.ch – 2700 junge Berufsleute bereiten sich auf ihre Qualifikationsverfahren vor. Seit Mitte April ist klar: Die Prüfungen finden statt, wenn auch in leicht angepasster Form. Doch nicht nur die Aus-, sondern auch die Weiterbildung ist von der Corona-Pandemie betroffen. Olivier Maeder, in der AGVS-Geschäftsleitung für die Bildung verantwortlich, beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Olivier Maeder aus der AGVS-Geschäftsleitung - hier im Gespräch mit Moderator Röbi Koller (rechts) am Tag der Schweizer Garagisten 2020 - beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Lehrabschlussprüfungen.
 
sco. Herr Maeder, die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf den Bereich Bildung des AGVS. Werden die rund 2700 Lernenden, die ihre berufliche Grundbildung in diesem Sommer abschliessen wollen, ihre eidgenössischen Fähigkeitszeugnisse und Berufsatteste erhalten?
Olivier Maeder, Geschäftsleitung AGVS:
Ja, das werden sie. Die erzielte Einigung unter den Verbundpartnern der Berufsbildung ermöglicht es den Lernenden, trotz den Auswirkungen des Corona-Virus ein auf dem Arbeitsmarkt anerkanntes eidgenössisches Fähigkeitszeugnis bzw. ihr eidgenössisches Berufsattest zu erhalten. Immer unter der Voraussetzung natürlich, dass sie über die entsprechenden Kompetenzen verfügen.

In welchem Rahmen sollen die Lehrabschlussprüfungen durchgeführt werden?
Die Kommission für Berufsentwicklung und Qualität B&Q des AGVS hat sich am 3. April mit den Vorschlägen der nationalen Arbeitsgruppe QV 2020 befasst. Ihr Entscheid: ein verkürztes Qualifikationsverfahren mit einer reduzierten Anzahl der praktischen Posten bei allen Berufen der technischen Grundbildungen des AGVS.

Was heisst das konkret?
Die Automobil-Assistenten und Assisten­tinnen werden in diesem Jahr vier praktische Posten absolvieren, die Automobil-Fachleute sechs praktische Posten und die Automobil-Mechatroniker und Mechatronikerinnen deren sieben. Schriftliche und mündliche Prüfungen gibt es im QV 2020 keine. Die Note Berufskenntnisse wird aus dem Mittelwert der Semesternoten aus dem berufskundlichen Unterricht ermittelt. Die Note des letzten Semesters zählt nicht dazu.
 
Gilt das für die ganze Schweiz?
Das ist das Ziel. Das vom AGVS vorgeschlagene Vorgehen wird gesamtschweizerisch an allen AGVS-Prüfungsorten umgesetzt – unter Einhaltung der vom Bundesrat getroffenen Entscheide zur Eindämmung des Coronavirus. Sollte ein Kanton aufgrund einer besonderen Coronavirus-Situation die Prüfungen nicht wie geplant umsetzen können, kann er eine Anpassung beantragen. Damit wird unter anderem sichergestellt, dass die Wirtschaft die Abschlüsse akzeptiert und die Lehrabgänger keine Nachteile auf dem Arbeitsmarkt haben.

Bei den Kaufleuten und Detailhandelsfachleuten entfallen die praktischen Prüfungen. Auf welcher Basis erfolgen hier die Qualifikationsverfahren?
In diesem Fall basiert das QV auf den Erfahrungsnoten. Der Vorstand der Schweizerischen Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen (SKKAB) hat entschieden, gemäss den genehmigten Richtlinien zu den «angepassten Qualifikationsverfahren» auf die Durchführung der mündlichen und schriftlichen Prüfungen im betrieblichen Teil der Abschlussprüfung zu verzichten und sich für die Erteilung des EFZ auf die betriebliche Erfahrungsnote abzustützen. Bildung Detailhandel Schweiz (BDS) hat für die beruflichen Grundbildungen im Detailhandel den Antrag gestellt, 2020 ausnahmsweise keine praktischen Prüfungen im Detailhandel durchzuführen und sich auf die Erfahrungsnoten abzustützen.

Heisst das, dass die Lehrabgänger 2020 einen minderwertigen Abschluss haben?
Auf keinen Fall! Ich bin davon überzeugt, dass wir den Lernenden mit diesem Coronavirus-gerechten Qualifikationsverfahren eine faire Abschlussmöglichkeit bieten, damit sie ihre Ausbildung unter den gegebenen Umständen abschliessen können. Dank den praktischen Arbeiten am QV 2020 der technischen Grundbildungen, die insbesondere für diese handwerklichen Berufe sehr wichtig sind, wird die Arbeitsmarktbefähigung nachgewiesen und den Lehrabgängern 2020 werden für die Zukunft alle Türen offenstehen.

Wie ist die Lage bei der höheren Berufsbildung? Dort dürften Sie mehr Flexibilität haben.
Leider mussten wir Mitte März die Kompetenzbereichsprüfungen für den Automobildiagnostiker und für den Automobil-Werkstattkoordinator absagen. Damals hatten wir noch die Hoffnung, dass die vernetzten Schlussprüfungen durchgeführt werden können. Anfang April waren wir aber nach Rücksprache mit dem SBFI und der QSK-AD/AWK gezwungen, diese abzusagen. Sobald wir wissen, wie es mit Durchführungen von Prüfungen der höheren Berufsbildung weitergeht, werden wir eine Neuplanung in Angriff nehmen und die Kandidaten umgehend informieren. Diese Neuplanung wird herausfordernd, da die Prüfungen für das zweite Semester bereits alle geplant sind.
 

 

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