2400 Lernende absolvieren spezielle Abschlussprüfungen

27. August 2020 autoberufe.ch – Verkürztes Qualifikationsverfahren, weniger praktische Posten, keine schriftlichen und mündlichen Prüfungen: Die Covid-19-Pandemie hat auch die Berufsbildung durcheinandergewirbelt. Arnold Schöpfer vom AGVS zieht eine Bilanz.
 

abi. Herr Schöpfer, die QV 2020 der technischen Grundbildungen standen wegen Corona unter einem besonderen Stern. Welche Bilanz ziehen Sie zu den QV 2020?
Arnold Schöpfer, Grund- und Höhere Berufsbildung AGVS: Es hat alles funktioniert. Die QV konnten in allen Kantonen mit der Hälfte der praktischen Posten gegenüber dem Normalfall ohne Probleme durchgeführt werden – mit Ausnahme des Tessins. Im Tessin fanden keine zentralen praktischen Prüfungen statt. Stattdessen mussten die Berufsbildner die Bewertung der Absolventen im eigenen Betrieb vornehmen. Lediglich für Wiederholer gab es auch im Tessin zentrale praktische Prüfungen.

Welchen Einfluss hatten die Anpassungen auf die Leistungen der Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger?
Wir bewegen uns bei den Erfolgsquoten etwas höher als im Jahr 2019. Speziell bei den Automobil-Mechatroniker/-innen mit der Fachrichtung «Personenwagen» ist die Erfolgsquote gut 10 Prozent höher. Der Grund dafür ist, dass in diesem Jahr keine schriftlichen und mündlichen Prüfungen in den Berufskenntnissen stattgefunden haben. Gerade bei den Automobil-Mechatronikern ist die Note der Berufskenntnisse eine Fallnote. Nun gab es in diesem Jahr weniger Kandidaten, die wegen diesem Umstand die Prüfungen nicht bestanden haben.

Welche Rückmeldungen haben Sie von den Experten erhalten?
Das QV 2020 war vor allem für die Lernenden, die bei den Noten der praktischen Prüfungen keine grossen Reserven hatten, schwieriger zu bestehen. Da die Anzahl der praktischen Posten verkleinert wurde, hatten die einzelnen Posten mehr Gewicht. Es gab für die Kandidatinnen und Kandidaten weniger Möglichkeiten, einen missratenen Posten noch zu korrigieren.

Corona war einschneidend für die Berufsbildung, beispielsweise auch durch den Wegfall des Präsenzunterrichts. Wie wird sich das auf die Lehrabgänger 2020 auswirken? Werden sie Nachteile auf dem Arbeitsmarkt haben?​
Durch diese Situation hat es bei einigen Lernenden sicher Lücken gegeben. Diese betreffen aber hauptsächlich die Berufskenntnisse. Somit ist dieses Manko auf dem Arbeitsmarkt und vor allem in der Werkstatt kaum spürbar. Die Lernenden hatten in dieser Zeit die Möglichkeit, im Homeschooling die Themen und Inhalte im Lehrmittel zu bearbeiten. Diese Zeit hat uns zudem aufgezeigt, was für andere Lernmethoden es gibt. Diese werden in Zukunft vermehrt eingesetzt. Für diejenigen, die nun eine Weiterbildung absolvieren werden, sind die gemachten Erfahrungen sicher kein Nachteil.

Das ganze Interview lesen Sie im AUTOINSIDE 09/2020.
 
Die Absolventen
Über 2400 Kandidaten haben das QV 2020 in den technischen Grundbildungen des AGVS absolviert. Knapp 90 Prozent von ihnen haben bestanden, etwa 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem die Automobil-Mechatroniker/-innen mit der Fachrichtung «Personenwagen» haben ihre Erfolgsquote gegenüber dem Vorjahr um über 10 Prozent gesteigert. Die Automobil-Assistenten konnten ihre Erfolgsquote um 1 Prozent steigern. Einzig bei den Automobil-Mechatroniker/-innen und Automobil-Fachmänner/-frauen – beide in der Fachrichtung «Nutzfahrzeuge» – stieg die Durchfallquote leicht an. Die grössten Durchfallquoten weisen die Automobil-Fachmänner/-frauen Fachrichtung «Personenwagen» und die Automobil-Mechatroniker/-innen Fachrichtung «Nutzfahrzeuge» mit rund 13 respektive 10 Prozent auf.
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