Im Zeichen der Massnahmen gegen das Coronavirus

10. Juni 2020 agvs-upsa.ch - Geplant war eine feierliche Delegiertenversammlung im Kanton Jura. Doch statt Saignelégier hiess die Destination Mobilcity. Und statt Delegierten und Gästen aus der ganzen Schweiz fanden sich AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli, AGVS-Juristin OIivia Solari und Notar Franz Müller ein.
 
agvs-dv_artikel_1.jpgAGVS-Zentralpräsident Urs Wernli, AGVS-Juristin OIivia Solari und Notar Franz Müller (v.l.n.r.) bei der AGVS-Delegiertenversammlung 2020. Quelle: AGVS

sco. Die Anwesenheit von Notar Franz Müller war bedingt durch die Abstimmung über den Anschluss neuer Trägerverbände an die Ausgleichkasse AK Mobil. Ein entsprechender Beschluss muss öffentlich beurkundet werden und dazu wird ein Notar benötigt. Die Delegierten nahmen sowohl Carrossier Suisse wie auch die Astag in die Trägerverbände der AK Mobil auf. Carrossier Suisse seinerseits hatte dem Beitritt bereits grundsätzlich zugestimmt und wird per 1. Januar 2021 beitreten. Die Abstimmung der Astag folgt erst im Herbst; stimmen auch die Nutzfahrzeugler zu, ist ihr Beitritt am 1. Januar 2022 vorgesehen.
 
Dass die Delegiertenversammlung nicht in Saignelégier im Kanton Jura stattfand, sondern in der Mobilcity in Bern, hat mit der Corona-Pandemie zu tun. Am 17. April hatte der AGVS-Zentralvorstand beschlossen, von Artikel 6b der Verordnung 2 vom 13. März 2020 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus (COVID-19-Verordnung-2) Gebrauch zu machen und die DV auf schriftlichem Weg durchzuführen. Dass das Verbot für öffentliche und private Veranstaltungen just am 6. Juni aufgehoben wurde und Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen wieder möglich sind, schien noch bis vor wenigen Wochen undenkbar.
 
In seinem Jahresbericht, der von den Delegierten wie sämtliche weiteren Traktanden gutgeheissen wurde, ging Urs Wernli  auf das politische Jahr 2019 ein, als eine grüne Welle den linksgrünen Parteien an den eidgenössischen Parlamentswahlen klare Stimmengewinne verschaffte. Die CO2-Debatte dominierte die Welt vor Corona und damit auch das Wahljahr 2019. Wernli: «Nie zuvor wurden so viele Elektrofahrzeuge verkauft. Nie zuvor war der Druck durch die ab 2020 geltenden CO2-Strafzahlungen höher.» Folgerichtig investieren die Hersteller Milliarden in die Elektrifizierung der Autos. Mit Hochdruck und teils staatlicher Unterstützung wird die Ladeinfrastruktur ausgebaut. Schleppend gehe allerdings der Ausbau der Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarer Energie voran, so Wernli. Genau diese jedoch entscheidet über Sinn und Unsinn der Elektromobilität: «Als Konsequenz steht der Autokäufer im Spannungsfeld zwischen dem politisch Wünschbaren und dem wirtschaftlich Finanzierbaren – und damit im Dilemma.»
 
Dabei war 2019 ein – zahlenmässig - sehr solides Auto-Jahr. Insgesamt wurden 311'466 Neuwagen verkauft. Das entspricht einer Steigerung von 3,9 Prozent oder 11'750 PW im Vergleich zum Vorjahr. Das Ergebnis liegt knapp über dem Mittelwert der letzten zehn Jahre. Auch bei den leichten Nutzfahrzeugen gab es ein sattes Plus von 7,2 Prozent auf 34'555 Fahrzeuge. Trotz dieser insgesamt recht erfreulichen Zahlen haben sich die Renditen im Handel für die meisten Garagisten leider nicht verbessert.
 
Nicht nur PW-, sondern auch Nutzfahrzeugbetriebe sehen sich im Zusammenhang mit alternativen Antriebstechnologien vor neue Herausforderungen gestellt. Die AGVS-Nutzfahrzeugkommission beantwortete 2019 zahlreiche Fragen rund um die benötigten Infrastrukturen sowie Investitionen in die Aus- und Weiterbildung mit einem gut besuchten Workshop zum Thema LNG (Liquefied Natural Gas). Ein weiterer Schwerpunkt im Bereich Branchenvertretung war das Projekt «Autowerkstatt der Zukunft»: Studierende der Universität St. Gallen HSG) unterzogen die Prozesse von Garagenbetrieben einer eingehenden Analyse und definierten mögliche Effizienzsteigerungen durch den Einsatz digitaler Technologien. Die Resultate wurden in den AGVS-Medien im Rahmen einer Serie zugänglich gemacht. Interessierte finden eine Zusammenfassung der Projektarbeit auf der AGVS-Website (-˃ Dienstleistungen -˃ Werkstatt der Zukunft). Erfreulich ist die Entwicklung zweier Projekte zur Senkung der CO2-Emissionen im Strassenverkehr: Sowohl mit dem Reifendruckoptimierungsprogramm (ROP), das vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) unterstützt wird, wie auch mit dem Autoenergiecheck (AEC) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Energie (BFE) tragen die Schweizer Garagisten dazu bei, die bestehenden Autos effizienter und sauberer zu machen.
 
Erfreulich ist die Entwicklung der AGVS-Mitgliederzahlen. Im Jahr 2019 wurde in Zusammenarbeit mit den Sektionen eine Standortanalyse von potenziellen AGVS-Mitgliedergaragen durchgeführt. Die ausgewählten Garagen wurden persönlich besucht und die AGVS-Vorteile vorgestellt. Mittels dieser Massnahme konnten 2019 mehr als 70 neue AGVS-Garagen willkommen geheissen werden. Insgesamt stieg die Zahl aktiver Mitglieder von 3804 auf 3829 Betriebe an.
 
Im Bereich Bildung war das neue Imagevideo «Berufe im Autogewerbe» das sichtbare Highlight 2019. Protagonisten sind junge Lernende, die Jugendliche inspirieren, sich mit den verschiedenen Bildungsmöglichkeiten im Autogewerbe zu befassen – und im Idealfall einen Beruf in dieser spannenden und dynamischen Branche zu erlernen. Wie hoch die Qualität der Berufsbildung in den AGVS-Betrieben ist, belegte der junge Automobil-Mechatroniker Damian Schmid an den WorldSkills in Kazan (Russland) mit einem ausgezeichneten fünften Platz.
 
Dazu beschäftigten zwei Projekte in der Grundbildung die Bildungsverantwortlichen. Beim Projekt «Kaufleute 2022» wurde das Qualifikationsprofil beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) eingereicht. Und im Rahmen des Projekts «Verkauf 2022+» bekam der AGVS nach mehrjährigen Verhandlungen die Zusage, voraussichtlich 2022 eine Grundbildung im Automobil- und Mobilitätsbereich einführen zu können.
 
Einstimmig genehmigt wurde die Jahresrechnung, die Einnahmen von knapp 13,68 Millionen Franken zeigt, was einem Rückgang von etwas mehr als 300'000 Franken entspricht. Insgesamt schloss der AGVS das Geschäftsjahr 2019 mit einem Jahresgewinn von 11'711.19 Franken ab.
 
Genehmigt wurde auch das Budget 2020, obwohl mit einigen Unsicherheiten behaftet. Es wurde vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie erarbeitet und geht bei leicht höheren Einnahmen (14,3 Millionen Franken) von einem Ertragsüberschuss von 25'000 Franken aus. Die Mitgliederbeiträge bleiben unverändert.
 
Nach exakt 15 Minuten endete diese denkwürdige, eigenartige und hoffentlich auch einzigartige Delegiertenversammlung des Schweizer Garagistenverbands.

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