Erfolge feiern mit Lehrbetriebsleitbild

29. Januar 2020 agvs-upsa.ch – Die Thomann Nutzfahrzeuge AG hat sich die Ausbildung von Lernenden auf die Fahne geschrieben. Das Familienunternehmen mit Sitz in Chur hat dafür ein Lehrbetriebsleitbild realisiert. Geschäftsführer Luzi Thomann wünscht sich, dass das Beispiel Schule macht: «Wir können nur gewinnen, wenn die ganze Branche mitanpackt.» 


Gut ein Fünftel aller Mitarbeitenden der Thomann Nutzfahrzeuge AG sind Lernende. 

cst. In Lernende investieren lohnt sich. Das belegen nicht nur die Zahlen der aktuellsten Erhebung des Schweizerischen Observatoriums für die Berufsbildung OBS EHB, wonach der Nutzen meist die Kosten übertrifft. Auch das Beispiel der Thomann Nutzfahrzeuge AG mit den Standorten in Schmerikon, Chur, Frauenfeld und Arbon zeigt, dass es nachhaltig ist, sich für den Nachwuchs zu engagieren.

Die Thomann Nutzfahrzeuge AG wurde 1995 als kleines Familienunternehmen gegründet. Heute unterhält es fünf Niederlassungen in der Ost- und Südostschweiz und beschäftigt rund 200 Mitarbeitende – gut ein Fünftel davon sind Lernende. Und: Viele von ihnen werden nach Abschluss weiterbeschäftigt. «Wenn wir in Jugendliche investieren, tun wir es nicht nur für uns, sondern für die ganze Branche», sagt Geschäftsführer Luzi Thomann (Bild). An geeignete Lernende heranzukommen, sei schon immer schwierig gewesen, erklärt er. «Doch leider hat sich der Mangel an jungen Fachkräften in den letzten Jahren stetig verschärft. Dem müssen wir entgegenwirken.»



Aus diesem Grund hat die Thomann Nutzfahrzeuge AG, die im Bereich Reparatur, Wartung und Verkauf von LKW, Gewerbefahrzeugen und Bussen tätig ist, ein Lehrbetriebsleitbild erstellt. Das Dokument definiert zum einen den langfristigen Auftrag als Ausbildungsstätte, zum anderen gibt sie der Belegschaft einen Rahmen für das tägliche Handeln vor. Im Lehrbetriebsleitbild ist unter anderem festgehalten, dass die Firma eine «familiäre Kultur der Wertschätzung und Gleichbehandlung über alle Stufen lebt», eine «sichere gemeinsame Arbeitswelt mit vielseitigen Entwicklungsmöglichkeiten bietet» und darauf abzielt, den Weg mit ihrem Nachwuchs «langfristig auch nach der Ausbildungszeit und im Sinne aller Parteien gewinnbringend fortzusetzen». Nicht zuletzt ist im Leitbild das «entdeckende Lernen» integriert, das sogenannte IPERKA-Ausbildungsmodell.
 

Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie den Autoberufe-Newsletter!
Jetzt abonnieren


 

Rund zwei Jahre nach Einführung des Lehrbetriebsleitbilds zieht Luzi Thomann ein positives Fazit: «Unsere Werte, Visionen und Ziele, die im Dokument verankert sind, haben sich im Alltag erfolgreich etabliert. Dem Team werden je länger je mehr Sinn und Nutzen unseres Engagements für junge Fachkräfte bewusst.» Dass die Investition greifbar Früchte trägt, beweist der Erfolg an den Zürcher Berufsmeisterschaften im November 2019.

Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um die Nachwuchsförderung innerhalb eines Betriebs zu verankern? Im Fall der Thomann Nutzfahrzeuge AG, die auch als «Top-Ausbildungsbetrieb» zertifiziert ist, war eine Planungszeit von rund einem halben Jahr notwendig. Für die Verantwortlichen galt es unter anderem, eine Standortbestimmung zu machen und Fragen bezüglich Potenzial, Vorteile sowie Schwierigkeiten eines Lehrbetriebsleitbilds zu klären. Nach der Definitionsphase, in der auch Ziele und künftige Massnahmen festgelegt wurden, kamen die Ergebnisse auf Papier. Nach und nach wurde das Lehrbetriebsleitbild in allen fünf Niederlassungen eingeführt. «Das Wichtigste ist, dass die oberste Etage eines Unternehmens vom Engagement überzeugt ist. Ebenso muss die Belegschaft bereit sein, an einem Strick zu ziehen», erklärt Luzi Thomann. Dafür müsse man die Mitarbeitenden motivieren und Verständnis für die künftige Stossrichtung schaffen. 

Mit dem Lehrbetriebsleitbild möchte das Familienunternehmen nicht nur neue Fachkräfte rekrutieren, sondern auch sich selbst in der Region als innovativer und qualifizierter Lehrbetrieb mit Vorbildfunktion positionieren. Luzi Thomann wünscht sich, dass das Beispiel der Thomann Nutzfahrzeuge AG Schule macht und andere Betriebe zur Nachahmung inspiriert. Auch versucht er als Mitglied des Vorstandes der AGVS-Sektion St. Gallen aktiv, die Vorteile eines Engagements für den Nachwuchs schmackhaft zu machen. «Wir können nur gewinnen, wenn die ganze Branche mitanpackt», ist der Geschäftsführer überzeugt.
 
Übrigens: Dem Fachkräftemangel will die Thomann Nutzfahrzeuge AG nicht nur mit ihrem Engagement für Lernende entgegenwirken, sondern auch mit einer Berufslehre für Erwachsene. Wer sich als Quereinsteiger ausbilden möchte, muss mindestens 35 Jahre alt sein. Zur Auswahl stehen die Lehre zum Automobil-Mechatroniker/-in oder Automobil-Fachmann/-frau. Obwohl die Ausbildung eines älteren Lehrlings teurer ist, überwiegt die Idee, wonach Erwachsene längere Zeit für das Familienunternehmen tätig sind. Während sich derzeit seit August 2019 eine Person zum Automobil-Mechatroniker ausbilden lässt, haben sich bereits mehrere Interessenten für eine Erwachsenenlehre ab Sommer 2020 gemeldet. 
Feld für switchen des Galerietyps
Bildergalerie

Kommentar hinzufügen

Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Kommentare


Hans Sigrist 6. Februar 2020 - 10:27
Sehr gut, wie die Firma Thomman das macht. Gibt es da etwa Unterlagen. Würde auch etwas dafür bezahlen. Wir sind ein Kleinbetrieb mit 3 Lehrlingen. Garage Sigrist AG, 8197 Rafz