«Bei smarter Mobilität genauer hinschauen»

8. September 2020 agvs-upsa.ch – Im Rahmen der GV des AGVS Sektion Zürich legte Stephan Sigrist, Gründer und Leiter der Denkfabrik «W.I.R.E.», dar, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Mobilität und das Garagengeschäft hat. Ein spannender Exkurs in die Zukunft, bei dem der Experte auch mit einigen Mythen aufräumte.
 
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Stephan Sigrist wagt einen Blick auf die Zukunft der Mobilität: Quelle. AGVS-Medien

jas. Vor dem traditionellen GV-Abendessen der AGVS-Sektion Zürich rüttelte Gastreferent Stephan Sigrist von der Denkfabrik «W.I.R.E.» die Anwesenden nochmals auf und entführte sie mit seinem Vortrag in die Welt der smarten Mobilität. Der Wissenschafter zeigte eindrücklich, dass die Mobilität ein Schlüsselelement für die Gesellschaft von morgen bleibt. «Es passiert vieles auf vielen Ebenen, aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen», so der 45-Jährige und erläuterte dies am Beispiel von autonomen Autos: «Die Hersteller versprachen uns autonome Fahrzeuge, doch die Realität sieht anders aus. Fahrerlose Autos sind zu teuer und zu komplex.» Im Netz müsse man oft durch das Erkennen von Verkehrsschildern oder Autos beweisen, dass man ein Mensch und kein Computer sei. Nur schon dies mache klar, wie weit die Technologie wirklich sei. «Die Zukunft ist vielleicht langfristig vorhersehbar, aber Detailprognosen sind nicht möglich», so der Autor und Stratege.
 
Sigrist erklärte, dass auch nicht einfach alles digitalisiert werde, sondern nur das, was auch Nutzen verspreche. «Der Fahrdienst Uber war vielleicht ein geniales Konzept, aber auch ein solches muss rentabel sein. Da die Gründer 2010 davon ausgingen, dass 2020 dank autonomen Fahrzeugen keine Menschen mehr am Steuer sitzen müssten, nahmen sie 10 Jahre Verluste in Kauf und kalkulierten zu günstig.» Der «W.I.R.E.»-Gründer machte den AGVS-Garagisten zudem Mut: «Mit der multimodalen Mobilität wird die Vielfalt der Fahrzeuge zunehmen. Sie werden genauer auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten sein, aber auch sie brauchen Wartung in einer Garage und Andockungssysteme.»
 
Sigrist offenbarte im Kurzvideo auch Tücken autonomer Autos und wie einfach sie lahmzulegen sind. Der Wissenschaftler widersprach dem Versprechen der Staureduktion durch autonome Autos und ergänzte: «Das Auto war für 100 Jahre auch ein Statussymbol. Das wird sich nicht ändern. Und trotz aller Digitalisierung ist Kundenorientierung, Verständnis für den Kunden und eine freundliche Bedienung auch in Zukunft wichtig.» Dies könne ein Garagist ja sogar ohne viel Digitalisierung bieten. Ausserdem ermöglichten Autos haptische Erlebnisse und Emotionen. «Dies birgt ein enormes Potenzial», so Stephan Sigrist zum Abschluss. «Wichtig: Nicht unbedingt das machen, was alle machen, sondern genauer hinschauen, einen breiteren Blickwinkel wählen und Sachen auch kritisch hinterfragen.»
 
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Sektionspräsident Christian Müller an der GV der AGVS-Sektion Zürich. Quelle: AGVS-Medien


Statt wie gewohnt im Frühling hatte die AGVS-Sektion Zürich seine Mitglieder erst Anfang September im Zürcher Albisgüetli zur GV begrüsst – inklusive Sicherheitskonzept samt Desinfizieren von Mikro und Pult bei jedem Rednerwechsel. Sektionspräsident Christian Müller sinnierte: «Ich hätte nie gedacht, dass meine Forderung nach sicheren Rahmenbedingungen in meinem letztjährigen GV-Referat so schnell und auf diese Art und Weise eine solche Bedeutung gewinnen würde.» Seine Sektion und der Vorstand seien in den letzten Monaten heftig gefordert gewesen, um die Auswirkungen der Corona-Krise für die Mitglieder zu mildern. Müller machte auch klar, dass die einschneidenden Massnahmen wohl noch lange erhalten bleiben und der Weg zurück zur Normalität nicht genau definiert sei.
 
Danach erhielten die 41 stimmberechtigten Sektionsmitglieder und weitere Gäste, Infos zur Einführung des neuen Reparaturbestätigungsverfahrens, aus dem Bildungsbereich zum QV 2020 und der guten Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Technischen Fachschule Winterthur (STFW). Danach ging Geschäftsleiter Diego De Pedrini aufs Sektionsbudget ein: «Es ist September und wir sprechen übers Budget für 2020. Ich bitte Sie dieses zu genehmigen, sonst haben wir ein Problem.» Die Lacher im Saal waren ihm genauso gewiss wie danach die Zustimmung der Anwesenden. Sie folgten den Anliegen des Vorstands sowieso in allen Punkten einstimmig.

 
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