Interview mit zwei Lernenden: «Man lernt jeden Tag etwas dazu»

25. April 2016 autoberufe.ch - Die Unternehmen der AGVS-Sektion Uri bieten rund 60 Jugendlichen einen Ausbildungsplatz. Die neue Urner Zeitung interviewte zwei von ihnen - Tobias Bissig und Lucas Schuler. Hier ein Auszug daraus.

Warum habt ihr euch für eine Lehre in der Autobranche entschieden?
Tobias Bissig: Mich haben Technik und das Handwerkliche schon immer interessiert. Früher habe ich an «Töffli» geschraubt. Deshalb war der Schritt in die Autobranche schon vorgezeichnet.
Lucas Schuler: Auch bei mir war das Interesse an der Technik ausschlaggebend. Ausserdem ist es der Abwechslungsreichtum, den dieser Beruf bietet.  

Gab es Personen oder auch Dinge, die euch bei der Lehrberufswahl unterstützt oder gar beeinflusst haben?
LS: Die Informationsunterlagen aus der Speed-up-Kampagne des AGVS Uri haben mir geholfen zu sehen, was auf mich zukommen wird. Ich habe auch eine Schnupperlehre gemacht, um sicher zu sein, dass der Beruf das Richtige für mich ist. Beeinflusst wurde ich von niemandem, es war mein eigenes Interesse an diesem Beruf.
TB: Eine Beeinflussung gab es bei mir auch nicht. Eigentlich war es schon immer mein Traumberuf. In der Schulzeit standen uns interessante Berufswahlvideos zur Verfügung, die die Berufe in der Autobranche vorstellten. Nach einer Schnupperlehre war für mich dann klar: Das ist es!

Was ist das Faszinierende an eurem Lehrberuf?
TB: Es ist das Abwechslungsreiche des Berufs, wie das auch schon von Lucas erwähnt wurde. Heute gilt es eine Zylinderkopfdichtung zu reparieren, morgen muss eine Kupplung ersetzt werden. Ich komme mit Kunden ins Gespräch, weil ein Problem erörtert und anschliessend gelöst werden muss. Und dann ist da die faszinierende Technik der Autos, die bei jeder Marke – zumindest teilweise – wieder anders ist. Man lernt jeden Tag etwas dazu.
LS: Ich mag es beispielsweise einen defekten, ausgemusterten Motor in alle Einzelteile zu zerlegen, um das Innenleben bis ins letzte Detail zu sehen. Was man in der Schule theoretisch lernt, kann so in der Praxis umgesetzt werden. Anderseits gibt es manchmal spezielle Probleme, die man trotz aller technischen Hilfen nicht auf Anhieb lösen kann. Da ist dann auch teilweise Improvisation gefragt. Es braucht einerseits Eigeninitiative, oft aber sind solche Lösungsfindungen auch Teamarbeit.

Gibt es auch Abtörnendes im Berufsalltag?
TB: Das gibt es sicher auch, wie wohl in jedem Beruf. Für mich sind es am ehesten besserwisserische Kunden, die schon ganz genau wissen, wo das Problem beim Auto liegt und auch darauf insistieren, obwohl sich dann herausstellt, dass der Fehler in einem ganz anderen Bereich lag.
LS: Für mich ist es das manchmal schwierige Zeitmanagement, vor allem in der Hochsaison wie beispielsweise im Herbst, wenn alle Kunden zum Reifenwechsel kommen. In diesen Phasen fällt in der Werkstatt sehr viel Arbeit an und gleichzeitig ist die schulische Belastung sehr hoch.

Stichwort Berufsschule: Wie beurteilt ihr die schulischen Anforderungen?
TB: Die sind schon sehr hoch. Wir müssen über ein sehr grosses Fachgebiet Bescheid wissen, es fällt also eine grosse Masse an Stoff an. Aber auch der Inhalt des Stoffs wird immer komplexer. Zunehmend sind elektronisches Wissen und Informatik gefragt, trotzdem müssen aber nach wie vor die mechanischen Grundlagen da sein.

Tobias Bissig ist 21-jährig und wohnt in Sarnen. Nach seinem Abschluss als Automobil-Fachmann lässt er sich nun im 2. Zusatzlehrjahr zum Automobil-Mechatroniker ausbilden. Er absolviert seine Zusatzlehre in der Sport-Garage Uri in Seedorf.
Lucas Schuler wohnt in Schattdorf und ist im 2. Lehrjahr zum Automobil-Fachmann. Der 17-Jährige macht seine Berufslehre beim Auto Service Zentrum in Schattdorf. Er möchte sich später einmal zum Lokomotivführer ausbilden lassen.

Das Interview wurde uns freundlicherweise von der Neuen Urner Zeitung zur Verfügung gestellt.


In der Berufsschule wird das technische Wissen vermittelt. Lucas Schuler (links) und Tobias Bissig mit einem Übungsmotor.